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Donnerstag, 7. April 2011

Rezension: Tammany Hall

Doug Eckhart: TAMMANY HALL für 3 bis 5 Personen, StrataMax Games 2009

Ganz schön fies

Erinnern Sie sich? An die weißen Kisten von Stratamax Games, an die besseren Prototypen in Essen. Unter all den Dingern gab es 2008 auch TAMMANY HALL zu kaufen: spartanisch, trist und doch … irgendwie … besser als die anderen Spiele von Stratamax. Das Spiel schaffte es also nicht ohne Grund in die Fairplay (Ausgabe 84, S. 30). Kollege Heller verpasst ihm einen schön verschleiernden Untertitel: „Dreckschleudern im Einsatz.“ Im Spiel geht es kräftig zur Sache, auch wenn die Optik das Thema nicht wirklich unterstützen konnte. Aber es passt prima zu Politikern, zumal amerikanischen, genauer New Yorker Politikern, die mit allen Wassern gewaschen, alle Register ziehend, zur Macht streben. Die alte Ausgabe wusste bereits zu überzeugen, hatte prima Ansätze und war so richtig böse.

Montag, 19. Juli 2010

+ Tammany Hall - Das 152. Montagsspielen (14/2010) am 28.06.2010

Doug Eckhart: TAMMANY HALL für 3 bis 5 Personen, StrataMax Games 2009

Nach fast vier Wochen ist es trotz WM tatsächlich wieder so weit. Wir spielen … TAMMANY HALL. Das Spiel steht schon seit langem auf meiner Agenda seit es letztes Jahr in Essen in neuer Aufmachung erschienen ist. Schließlich hatte uns Montagsspielern bereits die erste Auflage, noch in viel schlechterer Aufmachung, durchaus gut gefallen. Leider ist das Spiel damals eher untergegangen. Umso mehr gefällt mir die Neuauflage. Tolle Illustration, tolle Farben.
Es geht immer noch um Mehrheitenbildung. Thematischer Hintergrund sind die Wahlen im ausgehenden vorletzten Jahrhundert. Es geht sehr speziell zu in New York, wo sich Emigranten aus Europa einfinden. Als machtbewusste Politiker benutzen wir die Einwanderer, aber nicht die Natives. Iren, Engländer, Deutsche und Italiener verschaffen uns Einflusschips, mit denen man Wahlen in den New Yorker Bezirken beeinflusst, um so wieder an neue Einflusschips zu kommen. Unliebsame Konkurrenz wird beizeiten, natürlich meistens kurz vor der alle vier Jahre stattfindenden Wahl, schwer diffamiert und einfach vom Brett gekegelt. Politik ist ein hartes Geschäft … auch im Spiel.
Ersteinschätzung: Wer sich zu weit aus der Deckung wagt, zu viele Siegpunkte macht, bekommt schweren Gegenwind zu spüren. Das Gleichgewicht der Kräfte stellt sich ein. Bei uns wieder einmal zu spät, Rainer und ich waren da schon ziemlich abgeschlagen. Das zu erkennen war nur allzu einfach, wie die einzelnen Mechanismen ineinander greifen längst nicht. Waren wir zu unaufmerksam? Haben wir uns gegenseitig zu sehr gezofft? Haben wir die Politik nicht begriffen? Haben wir die beiden anderen machen lassen?
TAMMANY HALL ist ein durch und durch komplexes Spiel, noch dazu mit einem durch und durch amerikanischen Thema. Das macht's nicht gerade einfach, sollte aber niemanden – schon gar keinen „echten Spieler“ - abschrecken. Dafür sorgt – wenn überhaupt! - die deutsche Regelübersetzung.
Das Spiel verführt allerdings zum Grübeln. Denker Gregor, aber auch Rainer und ich, müssen zwangsläufig deeeenken. Da wird das Spiel dann zu einer echten Herausforderung, obwohl nur vier Wahlperioden aus je 4 Runden gespielt werden. Herbert ficht das allerdings nicht an, er kann sogar TAMMANY HALL wunderbar aus dem Bauch heraus spielen.
Gewinner: Rainer und ich können nicht viel reißen. Rainer wirft sich sogar in den Kampf gegen den führenden Herbert, damit wir anderen, aber ganz besonders Gregor, ihn dann hängen lassen. Gregor hat andere Pläne und versucht auf eigene Faust, Herbert zu überholen, ohne ihn direkt anzugreifen. Was ihm in der vorletzten Wahlperiode auch gelingt. Nur lenkt er damit unseren gemeinsamen Unmut auf sich: Nieder mit dem Führenden! Und was passiert? Herbert gewinnt mit 22 Punkten. Gregor folgt leicht frustriert mit 21, ich mit 19 und Rainer mit 16 Punkten. Gregors Niederlage geht definitiv auf Rainers und meine Kappe. So ist das im Leben: Kein Gleichgewicht der Kräfte, denn wo zwei einen beharken, freut sich Bauchspieler Herbert. Und mit ihm Iren und Italiener, deren dauerhafte Unterstützung er sich über die gesamte Partei sicher sein konnte.