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Dienstag, 27. Mai 2014

Rezension: Dominion - Dark Ages von Hans im Glück

Donald X. Vaccarino: DOMINION DARK AGES für 2-4 Spieler mit Grafik von Matthias Catrein und vielen anderen, Cover von Ryan Laukat bei Hans im Glück 2012 im Vertrieb bei Schmidt Spiele

Ich bin wieder angefixt

Ich hab' ja schon mein Ende von DOMINION ausgerufen. Zu viele Karten, zu viele Möglichkeiten und dann noch die BLÜTEZEIT. Alles von allem und alles im Überfluss. Das hat mir alles genommen: Auch noch den letzten Rest. „Lieber habe ich schlanke Decks, knappe Ressourcen ohne viel Schnickschnack.“ Genau das hält DARK AGES, die sechste Erweiterung, zudem die letzte von Hans im Glück. Lag schon länger im Stapel der noch zu spielenden Spiele, für die ich eigentlich fast gar keine Hoffnung mehr hatte. Haben Sie auch solche Spiele, die Sie immer schon mal spielen wollten, aber die dann doch irgendwann im Regal verschwinden? DARK AGES war kurz davor, in den Tiefen meiner Sammlung unterzugehen.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Das Ende … von DOMINION

Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken, aber erstaunlicherweise würde ich eine Partie DOMINION nie ausschlagen. Dafür spiele ich DOMINION einfach zu gern. Es gibt da allerdings ein Problem: Meine Mitspieler. Ihnen sind es mittlerweile zu viele verschiedene Karten und oft zu viele, zu komplexe Wechselwirkungen. Ihnen reicht das Grundspiel, vielleicht noch DIE INTRIGE. Mit diesen Karten sind sie vertraut, kennen einige Tricks und Kombos. Das macht kaum Mühe, aber meistens viel Spaß.
Kennen Sie noch MAGIC? Auch davon gab und gibt es Unmengen verschiedener Karten aus Unmengen verschiedener Editionen. Das waren noch Zeiten, als viel, viel Geld in Booster-Packs und ganze Kisten voller MAGIC-Karten-Wundertüten flossen. Irgendwann stand ich aber doch an einem entscheidenden Punkt: Weiter Karten kaufen oder nicht? Weiterspielen oder nicht? Bei DOMINION komme ich mittlerweile wieder an so einen Punkt. Den hatte ich damals nach der vierten, fünften Edition erreicht. Weiß gar nicht mehr so genau, nach welcher. Ist mir auch herzlich egal. Der MAGIC-Point of no return war endgültig erreicht. Ich brauchte einfach keine neuen, stärkeren, besseren Karten mehr. Ich hab's völlig dran gegeben, von jetzt auf gleich nichts mehr investiert. Weder Geld noch Zeit.
Ich weiß, DOMINION zieht Ihnen das Geld nicht so heftig aus der Tasche, wie es einst MAGIC tat. Im Gegensatz zu MAGIC habe ich gute Gründe, DOMINION treu zu bleiben. DOMINION ist ein echtes Ausnahmespiel und nötigt einen nicht, neue, stärkere, bessere Karten nachzukaufen. Meine Mitspieler und ich kommen mit dem vorhandenen Karten bestens aus. Mehr brauchen wir nicht. Sie doch?

Montag, 22. August 2011

+ Dominion – Blütezeit

Donald X. Vaccarino: DOMINION – BLÜTEZEIT für 2 bis 4 Personen bei Hans im Glück 2010

Neue Karten … neues … Sie wissen schon was. Auf diese einfache Formel lässt sich noch jede neue DOMINION-Erweiterung bringen. Zwei ganz besondere Karten sind dieses Mal dabei: Kolonien bringen 10 Siegpunkte und kosten 11 Gold. Platin ist 5 Gold wert und kostet sagenhafte 9 Gold. Da weiß man gleich, was auf einen zukommt. Viel! In jeder Blütezeit geht es aufwärts.
Ersteinschätzung: Viel hilft bekanntlich viel, und ganz besonders in der BLÜTEZEIT. Die Karten sind fast allesamt teuer, bringen aber auch viel. In der BLÜTZEIT greift alles immer komplexer ineinander, wirkt kompakter, dichter und intensiver. Wir spielen gleich zwei vorgegebene Decks zusammen mit Karten aus der INTRIGE. Beide Partien dauern recht lange, auf jeden Fall länger als sonst, mal abgesehen von aufwendigen Partien mit den ALCHEMISTEN.
Die Aktionskarten sind uns in diesen beiden ersten Partien ein bisschen fremd, wir wissen so recht nicht, wie sie am besten zu kombinieren sind. Wir spielen uns irgendwie tot. Unsere Decks werden dicker und dicker. Hilft viel tatsächlich viel? In so manchem unserer Züge ist einfach nix drin. Zu viele Aktions- und auch Siegpunktkarten verstopfen die Decks, behindern den Spielfluss. Zu früh Siegpunkte gekauft? Auch. Haupthindernis sind aber die vielen neuen und viel zu attraktiven Aktionskarten. Wir lassen uns von ihnen verführen, statt wie üblich auch Geld zu sammeln.
Längere Zeit verspürte ich eine gewisse Unlust BLÜTEZEIT zu spielen. Wenn viel viel hilft, wird es mir zu unspannend. Das war auch immer bei Entwicklungsspielen am Computer so. Wenn's zu inflationär zuging und deshalb für mich zu unübersichtlich wurde, habe ich schnell die Lust verloren. Am Computer spiele ich deshalb auch gar nicht mehr. DOMINION ist mir auch fast schon zu unübersichtlich geworden. Lieber habe ich schlanke Decks, knappe Ressourcen ohne viel Schnickschnack. BLÜTEZEIT verspricht genau das Gegenteil. Und doch, BLÜTEZEIT gefällt mir, ich bin wieder angefixt. DOMINION ist einfach ein verdammt gutes Spiel, als dass ich es links liegen lassen kann. Die beiden anderen sind übrigens derselben Meinung.
Gewinner: In „All along the watchtower“ flutscht es für mich anfangs richtig gut. Ich fühle mich als sicherer Sieger, als ich das Spiel beende. Aus, finito, der dritte Stapel Aktionskarten ist nun leer. Was für eine Enttäuschung: Herbert gewinnt mit 58 Punkten. Wir anderen haben 53 und 29 Punkte.
Bei „Glücksritter“ kommt mein Deck aus Königshof und Kupferschmied bald ins Stocken. Ich fühle mich abgeschlagen, weil mein Deck wegen der vielen Siegpunkte kein Tempo aufnehmen kann. Ich sehne mich nach dem Ende, denn das Leben als Glücksritter, den Zufällen der Kartenhand ausgeliefert, wird mir bald zu mühsam. Meine Felle gehen langsam aber sicher schwimmen … Und am Ende bin ich der größte Glücksritter, wenn auch knapp mit 76 zu 74 zu 74 Punkten. Ende gut, alles gut.

Montag, 26. Juli 2010

Dominion: Bernd Brunnhofer über das Cover und Privatkopien

Bernd Brunnhofer, Hans im Glück
Das Cover, der Geschmack und Privatkopien

Was gefällt dir am alten Cover?
Die Struktur hat mir gefallen, die Aufteilung des Bildes. Der Inhalt war zu kriegerisch für unseren hiesigen Markt. Die Struktur – sprich die Schrift, wie's aufgeteilt ist – war gut. Die Schrift haben wir allerdings leserlicher gemacht.

Was gefällt dir am deutschen Cover?
Ja, das ist ein Bild, das ist atmosphärisch, für meinen und unseren Geschmack dichter und weniger kriegerisch. Es bringt das mittelalterliche Treiben inklusive Ritter mit Lanze, aber eben nicht ausschließlich Ritter mit Lanze, sehr gut zum Ausdruck. Es ist ein sehr atmosphärisches Bild allgemein ritterlicher Art mit vielen Assoziationsmöglichkeiten.

Gibt es bei der Cover-Grafik einen deutlichen Unterschied zwischen amerikanischem und deutschem Geschmack?
Das könnte ich mir vorstellen, dass es anders gesehen wird, aber da kann ich nur spekulieren. Ich weiß ja nicht, wie die Amerikaner das auffassen, aber ich glaube schon, dass es einen Unterschied gibt. Hier verkaufen – außerhalb einer engen Freakgruppe - sich Spiele mit kriegerischen Cover nicht gut.

Warum ist das Cover von SEASIDE nicht in Deutschland auch von Michael Menzel, sondern von Franz Vohwinkel gestaltet worden?
Es gab keinen Grund, das Bild vom Vohwinkel nicht zu nehmen. Es ist jetzt nicht so, dadurch dass Michael Menzel die Idee hatte, zwei Cover nebeneinander zu stellen, dass das ein Programm ist, das wir ewig durchhalten wollen und auch gar nicht können. Das war eine Idee, die war gut und ist schön. Es muss jetzt aber nicht eine permanente Reihe draus werden. Franz Vohwinkel, den wir natürlich gut 20 Jahre kennen, mit dem wir viel gemacht haben, da gibt’s keinen Grund es nicht zu machen, weil er sicher kein kriegerisches Bild macht.

Und wenn jetzt jemand privat eine kleine Auflage von Karten macht? So wie's bei CARCASSONNE Plättchen in etlichen Privatauflagen gegeben hat ...
Wir haben da eine klare Festlegung, die schaut so aus: Privat, zum Herunterladen, irgendwie zum Zusammenbasteln, Karten, was immer auch, gerne. Trotzdem wir uns auch da vorbehalten, es nicht zu erlauben. Aber kommerziell gefertigt, professionell gefertigt – nein! Egal wer's macht, warum und wie. Professionell kann nicht sein, weil da würden wir Tür und Tor öffnen, für alle möglichen Geschichten. Darum sagen wir da nein. Aber wenn einer sich etwas macht, zum Runterladen, Tod und Teufel … gerne. Mit unserer Erlaubnis. Auch da müssen wir uns vorbehalten, das zu verbieten. Allerdings muss ich ja im Fall von DOMINION dazu sagen – da ist es anders als bei CARCASSONNE – da haben wir die Lizenz von Rio Grande von Jay Tummelson für den deutschsprachigen Raum, da können wir nichts verbieten, nichts gestatten. Letzte Instanz ist immer Jay Tummelson von Rio Grande Games.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Dominion: Jay Tummelson über das Cover und Privatkopien

Jay Tummelson, Rio Grande Games
Das Cover, der Geschmack und Privatkopien

Was gefällt Ihnen am Hans im Glück Cover von DOMINION?
Ich denke, es ist zu nett. Ich bin kein besonderer Freund von dem Cover, kenne aber viele, die es mögen. Cover und Grafik sind Geschmackssache. Viele Leute mögen es, und ich bin glücklich, dass sie es tun.

Was gefällt Ihnen an dem Original-Cover?
Für mich verkörpert das Cover genau das, was das Spiel ist. Ich kann das nicht präziser beschreiben, wie es wirkt und wie es das Spiel grafisch abbildet.

Gibt es einen Unterschied zwischen deutschem und amerikanischem Geschmack, was Spieleschachteln angeht?
Das nehme ich an. Es gibt auch viele Amerikaner, denen das Hans im Glück Cover besser gefällt, genauso vielen gefällt die Original-Grafik. Es gibt sicher nur einen geringeren Unterschied aufgrund der unterschiedlicher Kultur als aufgrund von unterschiedlichen Menschen.

Warum wurde der Grafiker für SEASIDE gewechselt? Von Catrein zu Vohwinkel.
Ganz zu Anfang habe ich mich entschieden, zwei Cover mit Catrein zu machen. Das war die ursprüngliche Abmachung. Für alle Erweiterungen werde ich andere Grafiker auswählen, wie schon verschiedene Grafiker die Karten gestalten. Das soll für mehr Abwechslung sorgen.

Und jede Erweiterung soll so groß sein, wie jetzt schon bei SEASIDE?
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir prüfen die Möglichkeit, kleinere Erweiterungen in kleineren Schachteln zu veröffentlichen. Die letzte Entscheidung über die Größe der Box ist aber noch nicht gefallen.

Was denken Sie über private Herstellung neuer Karten?
Ich werde sie aufspüren und stoppen. Wir werden selbst noch viele Karten veröffentlichen. Ich weiß, dass einige Leute angefragt haben, um Karten semiprofessionell zu drucken, aber wir haben ihnen abgesagt. Ich habe gar kein Problem mit Spielern, die sich ihre Karten selbst herstellen, sie auch mit ihrem eigenen Drucker drucken, in Kartenhüllen stecken und dann damit spielen. Damit hätte ich überhaupt keine Probleme, aber niemand sollte solche Karten verkaufen.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Rezension: Dominion – Die Alchemisten

Donald X. Vaccarino: Dominion – Die Alchemisten für 2 bis 4 Spieler, Hans im Glück 2010

Darauf haben alle gewartet, sehnsuchtsvoll und doch auch voller Hoffnung. Kaum dass man alle „alten“ Karten durchgespielt hat, giert man schon wieder nach neuen. Natürlich! Neue Karten – neues Glück für alle DOMINION-Junkies. Und das sind bestimmt nicht wenige, DOMINION besitzt zweifelsfrei zurzeit den größten Suchtfaktor. Deshalb wird genommen, was kommt.
Und nach dem eher durchwachsenen SEASIDE beglücken uns jetzt DIE ALCHEMISTEN. Die entfachen das DOMINION-Fieber so richtig, mit Tränken und allerlei Alchemisten-Wunschträumen: Stein der Weisen, Golem … Man muss nur für vier Geld einen Trank kaufen, damit man an die Alchemistenkarten kommt und so auch neue Kartencombos ausprobieren kann. Oder kauft man doch noch mehr Tränke!?
Dass die Decks dabei erstmal wieder dick und dicker werden, also immer mehr Karten beinhalten, das Spiel dadurch länger dauert, ist nicht beunruhigend. Jetzt kann das Spiel tatsächlich auch wegen drei leer geräumter Stapel zu Ende gehen. Das passierte früher nur sehr, sehr selten. Dass man entweder mit nur sehr wenigen Punkten Unterschied gewinnt oder verliert, lässt sich als Sieger locker verschmerzen, macht es aber je nach Ausgang spannend oder nervig. Mit nur einem Punkt weniger zu verlieren, kostet mich jedenfalls fast immer die Beherrschung. Niemand sollte sich seines Sieges sicher sein, denn wo Mangel herrscht, Spieler fremdbestimmt agieren müssen, kommt man so schnell nicht an Provinzen. Es geht unter Alchemisten schon sehr vertrackt zu. Und das ist nicht nur gut, das ist sogar besser, gerade weil die Alchemie von Lug und Trug lebt.
DOMINION – DIE ALCHEMISTEN finde ich erstens kniffelig, zweitens fordernd und drittens super. Aber vielleicht bin ich ja nur von den „uralten“ Karten aus Basisspiel und DIE INTRIGE entwöhnt. Ich lasse mich aber gerne wieder anfixen, auch wenn kaum Karten in der Schachtel sind und diese Ergänzung fast schon unverhältnismäßig viel Geld kostet. Aber so ist das mit der Sucht. Geld spielt dann keine Rolle mehr. Und Tränke kosten ja wirklich nicht zu viel, wenn man erstmal auf den Geschmack gekommen ist ...

Donnerstag, 17. Juni 2010

Donald X. Vaccarino: König von DOMINION

Donald X. Vaccarino
Jetzt ist der Mann wirklich da. Eigentlich habe ich ja nicht mehr damit gerechnet, dass Donald X. Vaccarino leibhaftig zu den Essener Spieletagen auftaucht. Er hätte ebenso ein Phantom bleiben können wie der an dissoziativer Identitätsstörung leidende Michael Tummelshofer, Autor von STONE AGE. Das wäre marketingtechnisch für Hans im Glück und Rio Grande sicher nicht das Schlechteste. Donald X. Vaccarino als ewig währender Quell für alle möglichen Spekulationen: Niemand will für DOMINION verantwortlich zeichnen. Richard Garfield hat seine Hände im Spiel. Donald X. Vaccarino ist aber leibhaftig anwesend. Hat eigentlich jemand seinen Pass kontrolliert? Wird so ein Mensch aus Amerika auch datentechnisch so erfasst wie alle Touristen, die nach Amerika fahren? Kann man das nachprüfen, ist das wirklich Donald X. Vaccarino? Oder nur ein Schauspieler, der so tut, als wäre er ein skurriler Spielerfinder aus Amerika?

Donald IX. Vaccarino
Aber jetzt gibt es kein Zurück. Donald IX. Vaccarino muss auf die Bühne. Die Verleihung des Deutschen Spielpreises ist ein Pflichttermin, ist er doch nicht zur Spiel-des-Jahres-Verleihung erschienen – was nebenbei bemerkt, die Gerüchte um ein Phantom erst noch beflügelt hat. Oben auf der Bühne fühlt sich das leibhaftige Phantom sichtlich unwohl. Das Rampenlicht ist nicht sein Ding, das ist deutlich zu spüren. Versteckt er sich nicht sogar hinter Jay Tummelson? Der Verleger von Rio Grande muss ihn beschützen, vor zu viel Aufmerksamkeit und dem Blitzlichtgewitter. Ob Donald IX. Vaccarino überhaupt gekommen wäre, wenn er das alles vorher gewusst hätte? In Essen seien mehr Fotos von ihm gemacht worden, als in seinem ganzen Leben zuvor. Also schaut er auf der Bühne ganz professionell drein. Das gelingt ihm ebenso wenig, wie rechtzeitig die Hand von Dominique Metzler loszulassen. Einen zu langen Augenblick kleben die beiden aneinander. Er scheint unendlich erleichtert, als sich Frau Metzler mit einer Frage an Jay Tummelson wendet. So ein Rummel um seine Person ist ihm gar nicht geheuer. Zumal fast alle um ihn herum Deutsch sprechen, und er das gar nicht versteht. Spielt er deshalb mit den Vorhängen?

Donald VIII. Vaccarino
Und dann diese Interviews, viele, viele Interviews. Aber da gibt es glücklicherweise kein solches Blitzlichtgewitter wie beim Deutschen Spielepreis, das ist eine intime Geschichte, das erledigt Donald VIII. Vaccarino ein bisschen entspannter. Da bin ich viel angespannter, nötigt er mir doch meine ganze Aufmerksamkeit ab. Er redet, er redet schnell ... und ich habe Mühe, all das warum, wieso, weshalb aufzunehmen. Mein Diktiergerät kann das besser: Ob er mit dem Erfolg gerechnet habe? Was für eine Frage?! Der Mann wird vom Erfolg überrollt, die Frage kann ich mir getrost klemmen. Welche Frage ihm wohl am häufigsten gestellt wurde? Da denkt er nach und klappert mit dem Glas … und grinst mich an. Diese Frage wurde ihm bereits gestellt. Nur dass er darauf noch gar nix antworten konnte, weil er noch zu gar nix befragt wurde. Aber die Frage nach dem Erfolg von DOMINION wurde schon oft gestellt. Und ob es sein erstes Spiel sei? Und ob er überrascht ob der ganzen Auszeichnungen sei? Nein, nein, nein … auf alle Fragen ein klares Nein. Natürlich hat er den Erfolg erwartet, spätestens in dem Augenblick, als seine Freunde die ganze Nacht DOMINION statt MAGIC spielen wollten. Und über die Preise hat er sich gar keine Gedanken gemacht, er kannte sie schlicht und einfach nicht. Was ist schon das Spiel des Jahres für Amerika?

Donald VII. Vaccarino
Er nimmt sich sogar Zeit für die Messe, wenigstens ein bisschen. Morgen, am Samstag, da geht er rum. Kaufen will er aber nichts, für andere Spiele neben DOMINION fehlt im schlichtweg die Zeit. Gut, zwei Spiele stehen doch auf seiner Liste: TOBAGO und ein Spiel, bei dem man erst aufbaut und einem dann alles zerstört wird. Von irgendwelchen Tschechen. Sonst drückt er sich lieber in heimischen Gefilden rum, bleibt am Stand von Rio Grande Games. Da spricht man Englisch, da fühlt er sich wohl. Aber ein paar wenige mitgebrachte Prototypen treiben ihn doch um. Sie sind zwar noch nicht so, wie er sie gerne haben möchte. Aber hätte er sie zu Hause gelassen, hätte er sich unwohl gefühlt. Das hört sich so an wie die Geschichte mit dem Regenschirm. Den nimmt man nur mit, weil es dann nicht regnet. Dutzende Prototypen sind in den letzten Jahren entstanden, fünf werden gerade begutachtet. Er weiß aber auch, dass für ihn DOMINION noch lange das Maß der Dinge sein wird. Ob es ihm so ergehen wird wie Klaus Catan? Ein ewiger Donald VII. Dominion?! Er selbst sagt: „It's hard to top DOMINION.“ Da müsste er schon so etwas nachlegen wie CARCASSONNE oder RA. Das wären für ihn die Art Spiele, die zu erfinden ihm sehr gefallen hätte.

Donald VI. Vaccarino
1994 war es so weit, er war reif für mehr. Vor 1994 kannte er nur MAGIC. Aber dieses Spiel zog Kreise. Neue Mitspieler, neue Spiele. Gamer's games, die guten alten amerikanischen Schätzchen von Avalon Hill bereiteten den Weg zu Nizia-Games. Statt COSMIC ENCOUNTER Spiele des Dr. Nizia. Die kauft er in seinem örtlichen Spieleladen, von denen gibt es das größte Angebot, alle sind mehr oder minder gut, bestimmt aber höchstwahrscheinlich. Und er spielt jede Nacht ... eine Zeit lang. Er nennt die Spiele von Dr. Nizia europäisch, für ihn sind es keine German Games. Wir könnten uns da wie die Schweizer hinstellen und kleinkariert fragen: „Wer hat's erfunden?“ Aber wir sind großzügig, solange unser Dr. Nizia vorne steht. Wo doch die Amerikaner das K nicht wirklich hörbar aussprechen. Hört sich doch auch viel sympathischer an, als Knizia mit dem Knack-K. Europäische Spiele müssen für Donald VI. Vaccarino gar nicht unbedingt aus Europa stammen, sie müssen nur deren Grundsätze übernehmen. Der Kampf um Siegpunkte und nicht das Eliminieren muss im Vordergrund stehen, ebenso wie die Mechanik vor dem Thema steht. Und ausbalanciert muss es sein, und gar nicht so aggressiv. Mit wenig „downtime“. Solche Spiele gefallen ihm. In diesem Sinn ist DOMINION ein durch und durch europäisches Spiel. Ein bisschen Angriff ist dabei, aber eben nicht dominierend. Und Ausscheiden tut auch keiner. Sowas fände er richtig schlecht.

Donald V. Vaccarino
Der Mann ist vielbeschäftigt. Und fast ausschließlich mit seinem Baby. In den letzten zwei Jahren hat er einmal BLOKUS und einmal RACE FOR THE GALAXY gespielt. Sonst läuft nur und ausschließlich DOMINION, schließlich gefällt ihm sein eigenes Spiel richtig gut. Deshalb kümmert er sich so intensiv um alle Ableger, neue Karten, was auch immer. Die Spieletester sollen möglichst perfekte Karten bekommen. Also achtet er penibel darauf, ob eine Karte nun vier oder fünf Gold kostet. Ob die Karte nicht doch zu stark ist. Ob die Balance gewahrt bleibt. Er ist aber nicht der Spieletester: „I'm not a play tester, but I am play testing them.“ Die Kärrnerarbeit überlässt er den Entwicklern Valerie Putman und Dale Yu. Die bekommen die neuen Karten, wenn der Meister glaubt, sie seien perfekt. Putman und Yu sollen Probleme finden, die Karten im Zusammenspiel ausgiebig testen und die Beschreibung für die Regel formulieren. Das findet Donald V. Vaccarino eigentlich überflüssig, denn seine Karten erklären sich durchaus aus dem Kartentext. Und machmal führen die beiden Entwickler kleinere Änderungen ein, die er selbst gar nicht mehr als Änderungen erkennt. Zum Beispiel, dass erst die restlichen Karten des Nachziehstapels aufgenommen und der Ablagestapel gemischt werden müssen, bevor noch fehlende Karten aufgezogen werden.

Donald IV. Vaccarino
Ein kleines Problemchen haben Autor und Entwickler gemeinsam bei SEASIDE umschifft. Die Dauer-Karten sollten ursprünglich auf die Seite gedreht werden. Wie bei Magic. Man erinnere sich: Richard Garfield hat sich das sogenannte „Tapping“ schützen lassen. Welche Lösung gibt es da, um nicht mit Wizard of the Coast oder Richard Garfield aneinander zu geraten? Dauer-Karten kommen in eine neue Reihe oberhalb der ausgespielten Aktions- und Geldkarten. Kann man machen, muss man aber nicht. Zu Hause, wo's keiner sieht, darf man die Karten sicher auch tappen. Aber auch das ist völlig unnötig, denn zumindest die Dauer-Karten sind ja alle orange und als solche gut zu erkennen. Da braucht man eigentlich nix weiter zu machen, als sie einfach bis zum nächsten Zug liegen zu lassen. Wenigstens steht es aber korrekt in der Regel, kein Richard Garfield kann ihnen etwas anflicken oder Lizenzgebühren abverlangen. Und außerdem wollte Donald IV. Vaccarino DOMINION sowieso nicht noch näher an MAGIC rücken, als es jetzt schon ist.
  
Donald III. Vaccarino
Die Frage, woher er kommt, lässt ihn ein wenig stutzen. Er sei vielleicht ein bisschen kanadisch, er könnte tatsächlich Kanadier sein. Es bleibt offen, denn den größten Teil seines Lebens hat er in Kalifornien zugebracht. Deshalb fühlt er sich auch wie ein Kalifornier, obwohl er jetzt in New York lebt. Überhaupt kommt hier wieder diese Scheu durch, etwas zu viel zu erzählen. Aber die hält höchstens einen kurzen Augenblick an, denn normalerweise redet Donald III. Vaccarino wie ein Wasserfall: „I like to talk.“ Im ersten Eindruck vermittelt er so gar nicht dieses Wesen. Aber wenn er denn mal losgelassen, gibt es kein halten. Eigentlich führe ich kein Interview mit ihm, er erzählt, plaudert, referiert. Mit Querverweisen und Schachtelsätzen übergeht er Fragen und beantwortet sie doch im nächsten Satz. Für DOMINION ist das sicher eine perfekte Qualifikation, alle Wechselwirkungen und komplexen Sachverhalte im Kopf zu behalten und zu gewichten, ohne den roten Faden zu verlieren. Im Gespräch ist es deshalb faszinierend, in die Welt von Donald III. Vaccarino einzutauchen. Man muss nur gut zuhören.

Donald II. Vaccarino
Dann kommt man Donald II. Vaccarino ein bisschen auf die Schliche. Er mag keine großen Menschenansammlungen, besonders nicht, wenn er selbst im Rampenlicht stehen muss. Man stelle sich ihn nur bei seiner Hochzeit vor. Der Mann vor Publikum? Auch vor Familie, Freunden und Bekannten scheint es für ihn schwierig zu sein. Was macht er? Donald II. Vaccarino heiratet in kleinem Kreis, in ganz kleinen Kreisen. Nicht, dass man sich nur die engste Familie zur Hochzeit holt, man heiratet einfach sieben Mal, hat sieben verschiedene Zeremonien und sieben Mal andere, dafür wenige, aber vertraute Gäste. Jede Hochzeit wird anders gestaltet, weshalb die Vaccarinos auch im Bett und auch mit einer Papiertüte auf beiden Köpfen geheiratet haben.

Donald I. Vaccarino
Und wofür steht eigentlich das X? Ist das der obligate zweite Vorname für Amerikaner, die auf wichtig und gewichtig machen? Sowas führt man als Amerikaner nur als Buchstabe zwischen Vor- und Nachname. Für Donald I. Vaccarino ist es mehr, denn X ist eine Variable. Und man merkt, in dem X. steckt mehr als nur ein Gesicht. Dieser Mann ist ungeheuer variabel.

Wolfgang B. Friebe

zuerst veröffentllicht in Fairplay 90

Samstag, 6. Februar 2010

+ Dominion: Seaside

Bei SEASIDE ist vieles alles anders. Die Schachtelgrafik ist jetzt von Franz Vohwinkel, nicht mehr wie beim Grundspiel und INTRIGE von Michael Menzel bei der deutschen und Matthias Cathrein bei der amerikanischen Ausgabe. Was aber viel entscheidender ist: SEASIDE protzt mit zusätzlichem Material, mit Geld- und Blockade-Münzen aus Metall. Dazu kommt noch viel Pappe, sogar zu viel: Statt für üblicherweise vier ist für sechs Mitspieler je ein Tryptychon vorhanden. Zusammengelegt entsteht ein Panorama aus Insel, Piratenschiff und Eingeborenendorf. Ist zusätzliches Material der Weg, auf dem es weiter gehen wird? Entledigen sich die Macher der klaren Strukturen? Wird DOMINION unübersichtlicher, mit Schnickschnack aufgehübscht? Ganz so hart sehe ich die Zukunft nicht, aber es sollte wohl erwogen werden, welchen Weg man wählt. Ich halte zusätzliches Material schlichtweg für unelegant. Die Klarheit und Eleganz des Grundspiels ist das Maß der Dinge.
Immerhin ist SEASIDE kein komplettes Spiel mehr, sondern eine echte Erweiterung, auf der Schachtel steht denn auch „1. Erweiterung“. Geld und Siegpunktkarten muss man jetzt aus dem Grundspiel oder aus INTRIGE entwenden. Das ist schon mal gut, allerdings ist dadurch die Schachtel nicht kleiner geworden.
Bei SEASIDE werden erstmals Karten eingeführt, die über zwei Runden wirken. Acht von 26 Karten bleiben bis zur nächsten Runde liegen, man kann sie also zweimal nutzen. Diese Karten sind alle orange, damit man nicht durcheinander kommt. Darunter sind tatsächlich wieder stärkere, weil effizientere Karten, die natürlich einige andere Karten überflüssig werden lassen. Sei's drum.
Und ein paar schöne Angriffskarten finden sich auch in der Küstenschachtel, die als ganz normale Aktionskarten daher kommen. Schmuggler und Embargo beflügeln aggressiveres Spielen. Bei SEASIDE geht es mächtig zur Sache. Das mag gefallen oder auch nicht.
Für mich gibt es in dieser Erweiterung drei richtige Überhammerkarten. Jede Partie mit Piratenschiff oder Lagerhaus und Schatzkarte drängen die Partie immer in eine bestimmte Richtung. Das Piratenschiff ist die Ärgermach- und Ärgernutzkarte schlechthin. Was den anderen genommen wird, wird auf meiner Piratenschiffpappe in Goldmünzen gehortet. Da kollabiert irgendwann das Geldsystem, wenn alle auf Piraten setzen. Dann wir SEASIDE richtig zäh. Andersherum geht’s auch. Mit Lagerhaus wird das Deck auf der Suche nach zwei Schatzkarten durchpflügt. Einmal gefunden, werden die beiden Schatzkarten entsorgt und vier Goldkarten wandern auf den Nachziehstapel. Ab sofort bläst ein mächtiger Rückenwind durchs Deck, SEASIDE nimmt dramatisch an Fahrt auf.
Irgendwie macht es dann aber auch wieder den Reiz aus, gegen diese Karten gezielt anzukämpfen. Ist nicht immer möglich … ich hab' auf jeden Fall noch nicht ein Universalmittel gegen diesen SEASIDE-Skorbut gefunden. Aber auf Piratenschiffe oder die Combo Lagerhaus/Schatzkarte aufzuspringen, nur um die eigenen Siegchancen zu wahren, macht auch nicht glücklich. SEASIDE muss ich weiter ausloten, die Tiefen und Untiefen finden. Ich verspüre zwar Forscherdrang, aber so richtig warm geworden bin ich mit dieser Erweiterung noch nicht.

Samstag, 30. Januar 2010

+ Dominion: Die Intrige

Im Grunde ist INTRIGE aber nichts anderes als das Grundspiel, nur mit anderen Karten. Nichts wirklich Neues, aber eben doch gerne genommen. INTRIGE bietet schon sehr ärgerliche Angriffskarten, die sicher auch wegen der einfachsten trotzdem sehr effektiven aller Strategien wirken soll: Gegen alle Geldsammler, die einfach nichts anderes machen als jede Runde ihr kleines in wertvolleres Geld einzutauschen. Im Grundspiel konnte man auch schon ärgern, aber noch nicht so schön wie bei INTRIGE. Das ganze Gefüge entfaltet eine viel komplexere Wechselwirkung als im Grundspiel. Je nach Gusto wird man sicher Vorlieben für bestimmte Karten entwickeln. Andere entfalten die erwartete Dominanz. Ich nehme gerne – sofern vorhanden - Baron, Eisenhütte und Kerkermeister auf die Hand, sofern zu erhalten. Und man muss sich wappnen gegen Angriffe aller Art. Sie einfach – wie beim Grundspiel – auszusitzen und hinzunehmen, klappt jetzt nicht mehr so. Das ist auch gut so.
Und die Optionen pro Karte werden ausgebaut. Man kann zwischen unterschiedlichen Aktionen wählen. Das macht solche Karten extrem flexibel, jede Karte mit einer einzigartigen Aktionsmöglichkeit verblasst dagegen, wird zum Füllsel. Zusätzlich werden Karten mit Doppelfunktion eingeführt, die entweder gleichzeitig Aktion- und Punktekarte oder Geld- und Punktekarte sind. Das ist nett und sicher ausbaubar. INTRIGE gefällt mir einen Tuck besser als das Grundspiel.



Es folgt: DOMINION SEASIDE

Mittwoch, 27. Januar 2010

Dominion n bis Dominion n+1

Ein paar grundsätzliche Überlegungen zu DOMINION und allen zukünftigen Erweiterungen

DOMINION dominiert immer noch den Jahrgang, nicht nur als Spiel des Jahres. Mit INTRIGE und SEASIDE gibt es reichlich Nachschub an neuen, anderen, besseren Karten. Die kann natürlich niemand auslassen, der intensiv DOMINION spielt. Und dazu kommt man ja fast automatisch, denn dieses Spiel hat diesen gewissen Suchtfaktor. Wirklich lebenswichtig sind neue Karte allerdings nicht, aber sie sind erwünscht, extrem erwünscht sogar. So ist das bei jeder Sucht. Jede noch so kleine Erweiterung - wie das 10-Karten-Giveaway SCHWARZMARKT - wird gierig verlangt, und dieses Verlangen nach dem SCHWARZMARKT kann tatsächlich nur auf Schwarzbay gestillt werden. Dafür werden mittlerweile unverständliche Summen geboten. Dafür kann man sich auch gut legalen Stoff besorgen. Illegale Karten wird es wohl nicht geben. Denn jeder Versuch, kommerziell durch Schwarzdrucke mitzuverdienen, wird durch den Lizenzgeber Rio Grande Games verfolgt werden. Gegen privat angefertigte „Drucke“ selbstentworfener Karten haben die beteiligten Verlage allerdings nichts. Aber warum sollte man sich die Mühe machen. Der käufliche Nachschub bietet dank INTRIGE und SEASIDE schließlich noch lange genug variantenreiches Spiel.
Ob jeder die gebotenen Möglichkeiten auslotet? Ob das auch beim ähnlich veranlagten MAGIC wirklich passiert ist, bei dem in jeder neuen Edition bessere, stärkere, wichtigere Karten dazu gekommen sind? Stehen wir möglicherweise vor einer ähnlichen Entwicklung? Klar, denn es wird weitere DOMINON-Ableger geben, denn in jedem Fall trifft hier Kunden- auf Verlegerwunsch: Kunden geben gerne gutes Geld für bessere Karten, eine echte Win-Win-Situation. Naja ...
Was sicher eintritt und jetzt auch schon zu beobachten ist, dass einige Karten zu reinen Füllseln degradiert werden. Wann auch immer sie in einem 10er-Satz auftauche, keiner will sie, keiner nimmt sie. Jedenfalls unter Profis sind Karten wie Holzfäller oder Burggraben ziemlich überflüssig. Füllsel wie Anwesen und Kupfer erfüllen ja wenigstens noch einen Zweck, denn sie bekommt man zwangsweise mit den Startkarten auf die Hand. Anders herum stimmt es auch: Bestimmte Karten erweisen sich als dominant.
Aber DOMINION wird ja nicht nur von Szene-Spieler gespielt, die jeder neuen Karte hinterher hecheln. Wer immer eine unbedarfte Runde beobachtet, wird je nach Geschlecht und Erfahrung der Spielrunde unterschiedliches Verhalten wahrnehmen. Auf einer öffentlichen Spieleveranstaltung habe ich mehreren Gruppen DOMINION erklärt und deutliche Unterschiede beobachten können. Reine Damenrunden spielen DOMINION eher wie neugierige Entdecker. Alle Karten werden ins Deck genommen und ausprobiert. Die Damen spielen sich das Kartendeck dick und haben trotzdem viel Spaß, gerade weil die Partie nicht sofort zu Ende ist und sich nach und nach der ganze Reiz des Spiels entfaltet. Ganz anders, wenn Jungen mitspielen. Möglicherweise wegen ihrer MAGIC-Erfahrungen überlegt diese Gruppe genau, wie welche Karten zueinander passen und optimiert ihr Deck. Da dauert die Partie nicht allzu lange, die Mutter der Jungen hatte auf jeden Fall ganz schnell das Nachsehen und hatte trotzdem noch Lust auf eine neue Partie ...
Und wer sich weiterbilden, neue Strategien erlernen, für den bietet das Netz allerlei Hilfestellungen. Peter Nos hatauf DasSpielEn.de Strategien beschrieben, und auf dem Dominion-Blog findet sich auch so allerhand, dazu noch ein Forum. Aber es sind nur Zweite-Hand-Erfahrungen, die man sich dort verschafft. Viel mehr Spaß macht es doch, beim Wettrennen um das bestfunktionierende Deck aus eigenem Können und aus den gemachten Erfahrungen als Sieger hervorzugehen. Hat man jedoch einen belesenen Gegner, wird man wohl ein paar frustige Partien erleben, in denen man in Null Komma Nix abgeledert werden wird.

Als Rezensent steht man sehr schnell bei jeder neuen DOMINION-Erweiterung vor demselben Problem: Muss man sich an den einzelnen Karten abarbeiten? Wie ist diese oder jene Karte zu sehen? Welche „neuen“ wirkungsvollen Decks lassen sich daraus entwickeln? Im Grunde läuft es ja immer wieder auf dieselbe Sache heraus: Wer kann am besten die Wechselwirkungen unter den 10 ausliegenden Karten erkennen und das beste Deck daraus formen? Diese Frage stellt sich bei der INTRIGE und bei SEASIDE und wird sich noch bei jeder anderen Erweiterung stellen.

Aber es gibt schon gewisse Eigenheiten, die auch zukünftig für jede Erweiterung mehr oder minder prägend sein werden.

Es folgt: DOMINION INTRIGE

Sonntag, 7. Dezember 2008

+ Dominion

DOMINION dominiert den Jahrgang

ursprüngliche Schachtel
Jetzt kann ich es offenbaren. Ich war mal ein MAGIC-Junkie. Theoretisch jedenfalls, denn praktisch habe ich viel weniger gespielt als gesammelt. Jetzt bin ich wieder ganz praktisch angefixt, ich spiel' DOMINION immer, dauernd, so oft es geht - gerne auch zu zweit. Allerdings läuft alles in geregelten Bahnen, Sammelsuchtpotenzial hat das Spiel nicht. Eine Schachtel mit 500 Karten reicht aus, sogar um zu viert zu spielen. Keiner muss Geld in Booster-Packungen stecken, um stärkere, bessere Karten zu haben. Zurzeit jedenfalls noch nicht.

Man baut sich aus 10 Aktions-, aus Geld- und Siegpunktkarten ein eigenes Deck auf, Runde für Runde kauft man Karten dazu. Welche Karten funktionieren gut miteinander? Welche sind eher hinderlich und mit welchen kann man die Gegner schädigen? Oder ist höherwertiges Geld nicht die bessere Wahl? Fünf Karten darf man nur auf der Hand halten, da will wohl erwogen werden, welche Karten man ins eigene Deck nimmt. Siegpunktkarten entscheiden über Sieg oder Niederlage, nehmen aber auch Platz in Anspruch. Aus nur fünf Karten auf der Hand muss man das Beste heraus holen. Die Karten werden entweder ausgespielt oder abgelegt, dann werden fünf Karten nachgezogen. Das funktioniert alles perfekt. Erst Aktionskarte(n) spielen, dann kaufen, schließlich ablegen und wieder nachziehen.

Wer baut das optimale Blatt auf? Einer Weisheit muss man sich stellen. Mein Sohn hat sie mir nach drei siegreichen Partien verkündet: „Geld regiert die Welt!“ Daran gibt es auch bei DOMINION wenig zu deuteln. Wer viele hohe Geldkarten im Deck hat, kommt schneller an die Karten mit den Siegpunkten. Wer sich zu sehr mit Aktionskarten beschäftigt, hat oft das Nachsehen. Trotzdem juckt es mich immer in den Fingern, gegen die Geldstrategie zu spielen. Das bleibt eine Herausforderung.

Jeder spielt zwar mehr oder minder nur für sich, aber es entstehen doch eine gewisse Spannung und Dynamik. Im Grunde ist DOMINION ein Wettlauf. Gerade wenn die wertvolleren Siegpunktkarten schnell gekauft werden, merkt man das deutlich. Sogar überdeutlich, wenn man noch nicht genug hohe Geldkarten im eigenen Deck hat. Tempoverlust holt man nicht wieder auf. Was soll man nur mit Kupfergeld oder Anwesen machen? Erstere sind nur eine Geldeinheit wert, letztere nur einen Siegpunkt. Irgendwie stören die sehr ...

Wer verliert, hofft auf eine Revanche. DOMINION ist dazu gut geeignet, denn das Spiel ist ruckzuck zu spielen, so man die Karten kennt. Was man sonst noch durch dieses Spiel lernt? Mischen, mischen, mischen ... darum kommt man nicht herum. Schnell genug liegt das komplette Deck wieder auf dem Ablagestapel. Durch das viele Mischen leiden die Karten, die schwarzen Ränder nutzen sich stark ab. Ich hätte da noch die Kartenschutzhüllen, viele sogar ... ach nein, ich bin ja nicht mehr süchtig. Und wenn ich das Spiel so weit verschlissen habe, gebe ich gerne Geld für ein neues Exemplar aus. Ist ja in der Summe viel weniger, als ich in MAGIC investiert habe. Und es macht mir wirklich nix aus, dass die Karten leiden, sie sind ja alle gleich häufig.

Allerdings rechne ich bald mit Boosterpacks. Der erste 10er-Satz kommt bestimmt bei der Spielbox heraus. Was ich noch erwarte: Eine Flut neuer Karten, wozu Hans im Glück einem Wettbewerb starten wird. Die besten Einsendungen werden dann als Erweiterung verkauft. Noch erwarte ich das allerdings nicht sehr sehnsüchtig. Ich bin mit den ersten 500 Karten bestens zufrieden.

Wolfgang Friebe

DOMINION für 2 bis 4 Personen von Donald X. Vaccarino, Hans im Glück 2008

p.s.: Auf Hiespielchen werden bereits Ideen gesammel. Die Karte Inflation hilft vielleicht gegen die Geld-regiert-die-Welt-Strategie.

p.p.s.: Und Hans-im-Glück erklärt bereits die Modalitäten für selbst gestaltete Karten und weist darauf hin, dass der Autor sich bereits viele Gedanken über neue Karten gemacht hat.

p.p.p.s.: Und zu Nürnberg gibt es ein neues Cover. Das alte gefiel mir eh' nicht so gut, irgendwie düster und eher amerikanisch gestaltet. Das neue ist schön märchenhaft, aber auch ein bisschen kitschig. Trifft aber deutlich besser den hiesigen Geschmack. Alle Sammler von unausgezeichneten Schachtel sollten sich beeilen und sich die alte Ausgabe sichern. Wer weiß schon, welche Auszeichnung sonst das Cover verunstalten werden. Es gibt da so einen großen roten Pöppel ... Den à la carte Preis der Fairplay hat das Spiel so gut wie sicher in der Tasche.