Dienstag, 24. Februar 2015

Spiele-Archäologie Teil 11: Millionenspiel


http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Brinkmann_KG
Quelle: Wikipedia
Anno '84 war ich öfters in Hamburg. Freiwillig zwangsweise … oder doch zwangsweise freiwillig?! Egal, denn wo sollte ich auch sonst hin, wenn ich samstags frei hatte. In Schleswig bleiben? Hamburg liegt doch gleich vor der Tür. Und wo bin ich in Hamburg gelandet? Nee, dafür war ich zu jung und vor allem zu grün, ich war bei Brinkmann. Das Kaufhaus war so etwas wie ProMarkt, Media Markt oder Saturn – Brinkmann und ProMarkt sind längst verschwunden. Jeder Laden hat seine Zeit.
Und was wollte ich bei Brinkmann? Anfassen, schnuppern … und was hab' ich da gekauft? Das MILLIONENSPIEL. Es war billig, ich war jung, ich wollte mehr und immer spielen. Es war ein Kauf auf gut Glück. Und wie viele Umzüge hat das Spiel mit mir erlebt? Acht, neun, zehn … und jeder neue Umzug brachte einen schlechteren Platz in meiner Sammlung. Am 28.07.14 wäre es im Keller bestimmt abgesoffen, wenn das Wasser wie bei den Nachbarn weiter gestiegen wäre. Das MILLIONENSPIEL hat überlebt, und ich hab's beim Ausmisten wieder entdeckt.


Rüdiger Koltze: MILLIONENSPIEL für 3-5 Personen bei Ravensburger 1982

Ich mag Würfelspiele … knackige Würfelspiele. Und dann ausgerechnet dieses Spiel, bei dem man aus fast nix 1.000.000 machen soll? Wie soll das denn bitte schön gehen: 5 Einer-Chips und eine Rente, die auf Los 5 neue Einer einbringt. Also würfeln, würfeln, würfeln wir den Rundkurs längs – mit einer Figur. Vor jedem Zug dürfen alle setzen, denn auf blauen, gelben und roten Feldern gibt’s zu dem Einsatz einen Gewinn in gleicher, in zehnfacher oder in hundertfacher Höhe dazu. Herrlich … und doch nur banal, wenn es nicht ein paar Kniffe gäbe.

Auf dem Rundkurs sind auch grüne Felder: Bleibt die Figur dort stehen, verliert jeder alles nicht gesetzte Geld. Und weil im Spiel niemals in kleinere, nur in größere Werte zwangsweise gewechselt wird, entsteht schnell die Frage: Alles, nichts oder halbe-halbe? Und viel entscheidender: Wer würfelt?

Wer würfelt, hat die Wahl: Entweder vorwärts ziehen oder neu würfeln. Und hat der Mensch viel oder wenig Geld, setzt er viel oder wenig? Dumm, dass er als Letzter setzt. Was haben die anderen geboten? Lohnt es sich, dagegen zu würfeln … Und unterschätze niemand einen Pasch im zweiten Wurf, dann wird erst gezogen und wieder gewürfelt. Also nix genaues weiß man nicht … außer man erkennt vorher, wie der Würfler tickt. Ein guter Indikator: Wie viel Geld besitzt der Herr der Würfel?

Und dann gibt’s da noch schwarze Felder mit Spezialfunktionen und Rentenkarten. Alles irgendwie überflüssiges Beiwerk – nur noch ein paar Regeln mehr. Und was bitteschön haben Rentenkarten in einem Zockerspiel zu suchen?! Nur damit man jede Runde erst fünf, dann 50 und schließlich 500 Chips erhält?! Und eine 50er-Rente kostet schlappe 1000, eine 500er dann logischerweise 10000. Macht zwanzig Runden, um die Rente wieder rauszubekommen. Bis dahin hat doch einer gewonnen …

Oder auch nicht, denn das MILLIONENSPIEL kann sich mitunter ziehen. Wenn der Würfler in entscheidenden Phasen ganz böse würfelt – gewollt oder aus Pech, Glück, was auch immer. Manchmal denkt man auch, was für eine zähe Partie, und dann: Schwupp, einmal selbst der Würfler genau dann sein, wenn die Figur vor dem Mal-100-Feldern steht und man selbst gerade 10.000 dabei hat. Ein guter Wurf und schon hat man die Mille für den Sieg in der Tasche. Oder mal ganz doll auf die Würfel hoffen und mit einem Pasch dann doch noch ein Mal-100-Feld erreichen. Oder, oder, oder … 

So oder so, hätte das MILLIONENSPIEL aufgrund innerer Werte heute noch eine Chance? Ganz ohne Erinnerungen an längst vergangene Partien? Tja, wenn da nicht die Emotionen wären, die aus Glück oder Pech immer wieder aufbranden. Auch Schadenfreude kann eine echte Freude sein, wenn man selbst die Würfel in den Händen hält und genau passend würfelt. Aber sei's drum, ob's eine zeitgemäßere Grafik oder redaktionelle Feinarbeit brächte? Weiß nicht, denn wo Glück ist, ist Pech nicht fern. Und wenn es ganz schlecht läuft, dann dauert das MILLIONENSPIEL einfach zu lange. Aber diese Emotionen … manchmal kocht es hoch, wenn man um ein Feld an der Million vorbeischlittert. Aaargh!

Im Übrigen ist nur die Seite echt, in der das Logo auf den Bildern zum Logo oben auf der Seite passt. Alle anderen Seiten sind 1:1 Diebstähle meiner Seite.

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