Dienstag, 9. Oktober 2012

Rezension: Santa Cruz von Hans im Glück

Marcel-André Casasola Merkle: SANTA CRUZ für 2-4 Personen bei Hans im Glück 2012, Grafik von Michael Menzel

Thema
Insel?! Kar, bei dem Thema geht’s ums Entdecken. Ich hätte da allerdings nicht vermutet, dass es auf der Insel schon so etwas wie Infrastruktur gibt. Für uns Europäer wie so oft unvollstellbar, dass es außerhalb unseres Kulturkreises Straßen, Wasserwege und Siedlungsplätze geben kann. Macht's aber auf jeden Fall klarer, wie wir ziehen und wo wir uns niederlassen. Und klare Strukturen begrüßen wir Spieler doch, oder nicht?!

Optik
Der Menzel hat's verbrochen. Hans im Glück hat ihn beauftragt. Bei dieser Kombo gibt’s doch schon lange nichts mehr zu meckern. Immer perfekt. Immer? Vielleicht schon zu perfekt, um mal aufs ganz hohe Ross der echten, wahren Kritiker zu steigen. Das mal beiseite: Hans im Glück weiß ganz genau, mit wem man bestimmte Spiele in Szene setzen muss.

Mechanik
SANTA CRUZ zieht man am besten von hinten auf – beim Wertungsmechanismus. Wie was kombiniert wird, was welche Boni bringt, sollte man im Blick haben. Und welche Wertungen überhaupt möglich sind. Leider ist der eigene Blick auf die Wertungen erstmal eingeschränkt. Jeder kennt nur seine Wertungskarten. Nur eines ist gewiss: Alle werden ihre Wertungskarten irgendwann ausspielen müssen, nur weiß ich nicht genau, wann das passieren wird. Wer wertet, darf aber auf der Insel nicht siedeln, keine Hütte, keine Kirche und keinen Leuchtturm errichten. Es gibt nur entweder oder. Für jede Wertung gilt: Alle, die die Vorgaben erfüllen, bekommen Punkte.
Dieser Wertungsmechanismus ist zugleich spannend wie unkalkulierbar. Unkalkulierbar? Wer den richtigen Riecher hat, erkennt, worauf es hinausläuft, kann mit absahnen. Mit zunehmender Spielerfahrung wird’s einfacher, mit fremden Wertungen selbst Punkte zu machen. Diese Punkte, en passant mitgenommen, kosten mich erstmal kein Tempo. Denkt daran: Irgendwann müssen auch die eigenen Wertungskarten auf den Tisch.

Fazit
Ich habe SANTA CRUZ erst unterschätzt, weil man zwei Mal fast dasselbe Spiel spielt, zwei Mal hintereinander die Insel besiedelt. Im ersten Durchgang weiß niemand, was wo zu holen ist. Im zweiten Rennen liegen fast alle Infos offen. In beiden Durchgängen das Beste herauszuholen, macht den Spielreiz aus. Wer sich allerdings in der ersten Runde zu weit vorwagt, gar an die Spitze prescht, hat in der zweiten Runde den schlechteren Start. Möglichst knapp hinter den anderen den letzten Platz zu belegen und dann in der zweiten Runde groß aufzutrumpfen, ist die ganz große Kunst.

Ranking
Für mich hat es SANTA CRUZ erst auf den zweiten Blick, nach mehreren Partien mit den berüchtigten Otto-Normal-Spielern, in das obere Mittelfeld geschafft. Komisch eigentlich, dass es ausgerechnet bei meinen Normalos viel besser ankommt, als bei meinen Profis. Vielleicht weil SANTA CRUZ nur gut komponiert ist und weil seit TITANIA meine Profis eher negativ eingestellt sind, wenn sie ein Spiel in zwei Durchgängen spielen müssen.

Mittelmäßigkeit
Der anspruchsvolle und originelle Wertungsmechanismus haut es raus.

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