Sonntag, 31. Januar 2010

Das Ende ... aller Verrisse

… ist sicher noch nicht angebrochen. Aber sie sind längst nicht mehr so notwendig wie noch zu der Zeit, als es noch reichlich Graupen gab. Diese Zeiten haben wir glücklicherweise hinter uns gelassen, richtig schlechte Spiele sind eher die Ausnahme. Aber es gibt noch Verrisse, nicht nur in der Fairplay, auch hier auf .:Doppel:Spiel:Kritik:.
Nur, wer schreibt noch welche? Ich meine natürlich nicht so halbe Verisse, in denen die Wertung „solide“ so viel wie ein Todesurteil bedeutet? Echte Verisse machen schließlich viel mehr Arbeit als sich am Ende einer wohlmeinenden Kritik beim Verlag für das Rezensionsmuster zu bedanken. Und außerdem muss man auch noch auf Widerspruch und Diskussionen mit dem Pressevertreter gefasst sein. Oder auf einen nachtragenden Autor. Oder mit dem Entzug der Rezensionsmuster. Oder – viel schlimmer – mit dem Verprellen eines Anzeigenkunden. Da ist es doch einfacher, sich erst gar nicht diesen Folgen auszusetzen.
Echte Verisse erfordern viel, vor allem leidensfähige Mitspieler. Wer einen Verriss schreibt, begibt sich auf dünnes Eis, dessen Tragfähigkeit wohl erwogen sein will. Deshalb sind Mitspieler besonders wichtig, viele unterschiedliche Mitspieler. Wer nur immer mit denselben Leuten spielt, sich im selben Fahrwasser bewegt, der ist auf dem zweiten Auge irgendwann blind. Und natürlich braucht es auch eine Steilvorlage, den Ansatz für einen Verriss. Das ist oft der Ärger, wieder Lebenszeit für ein grausiges Spiel verbraten zu haben. Weil man sich hat täuschen lassen … vom tollen Material, von der aufgeblasenen Verpackung, von dem „dicken“ Auftreten des Verlages. Und weil man schon Lebenszeit für dumme Nüsse verbrannt hat, muss sich der Aufwand wenigstens auch lohnen.
Und dann ist ein Verriss geboren. Der ist entweder bissig, frech oder sehr fundiert. Und bestenfalls ist er alles … und obendrein unterhaltsam. Denn wer liest schon eine solide Kritik über ein schlechtes Spiel?

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