Freitag, 10. April 2009

Rezension: Cities

Die Mischung macht's

Vier Metropolen spielen mit: Paris, London, New York und Berlin. Und jeder Mitspieler bekommt einen Satz aus 24 Plättchen. Vor der allerersten Partie müssen die Plättchensätze erstmal auseinander sortiert werden. Das macht Mühe, denn auf den ersten Blick sind die Städte nicht unbedingt zu unterscheiden. Was man allerdings erkennt: Die Schachtel ist gut gefüllt. Nicht nur mit Plättchen, auch mit den 28 Touristen. Martyn F hat offensichtlich die CARCASSONNE-Männchen auf Abmagerungskur geschickt, seine Figuren wirken viel schlanker, sind längst nicht so dickbäuchig. Ob das gut ist? Schließlich dürften die Meeple aus CARCASSONNE deshalb so beliebt sein, weil auch Spieler häufig nicht ganz so schlank sind.

Hat jeder seinen Satz Plättchen zieht ein Baumeister acht Plättchen aus seinem Stapel. Die spielen nicht mit, bleiben aber für alle geheim. Mit den ersten drei Plättchen, die aufgedeckt werden, beginnt das Spiel. Jeder sucht sich nun die drei Plättchen mit derselben Nummer heraus und legt sie ebenfalls so aus, dass sie sich an den Ecken berühren. Das eigentliche Spiel kann beginnen: Der Baumeister zieht blind, die anderen suchen das Plättchen mit derselben Nummer heraus, jeder legt an seiner Auslage an. Kommt Ihnen bekannt vor?! Klar, das ist doch wie TAKE IT EASY. Jopp, man baut allein an seiner Auslage. In CITIES ist ein 4x4 Raster vorgegeben, was allerdings nicht fix auf einem Brett vorgegeben ist.

Die Plättchen sind im übrigen quadratisch und dürfen vor dem Legen beliebig gedreht werden. Man darf sogar über Eck anlegen, aber es müssen immer Kreuzfugen entstehen. Niemand darf zur Hälfte an zwei andere Plättchen anlegen. Das ist verboten! Bloß wo legt man das Plättchen an? Und platziert man darauf eine Figur? Nur ein Plättchen mit Figur geht am Ende, wenn das Raster komplett gefüllt ist, in die Wertung ein. Kommt Ihnen bekannt vor? Ist doch wie CARCASSONNE?! Ja, nur dass die Männchen ... Sie wissen schon ... viel dünner sind. Alternativ darf man ein Männchen auch auf das aktuell gelegte Plättchen versetzen oder auf ein angrenzendes verschieben.

Das ist alles, das ist einfach. Zumindest, wenn man es in der Einsteigerversion spielt. Für jede Figur, die auf einem Feld mit Sehenswürdigkeit (gelb) oder Park (grün) steht, gibt es so viele Punkte, wie gelbe bzw. grüne Flächen zusammen hängen. Straßencafes (rot) und Wasserflächen zählen gar nix. Nur in dieser Version nix!

Man muss schon genau überlegen, wo man seine Plättchen anlegt, wo welche Kombination viele Punkte bringen. Und ob man noch auf ein passendes Kärtchen warten will. Die meisten Plättchen sind geviertelt, zeigen drei, einige auch zwei Farben, was die Bildung größerer Flächen nicht einfach macht. Dazu benötigt man unbedingt eines der sechs Plättchen, die hälftig geteilt sind und nur zwei Farben zeigen. Aber sind die überhaupt im Spiel? Acht Plättchen wurden ja zu Beginn aussortiert. Was man unbedingt machen sollte: Die Figuren müssen sofort aufs Brett, denn später kann man ja noch umsetzen bzw. versetzen. Da muss man dann ein wenig rechnen, wo und wie man noch einen Punkt mehr heraus holen kann. Man kann, muss aber nicht. Bauchgefühl tut's auch. Die Einsteigerversion lässt sich deshalb auch gut mit älteren Kindern spielen.

Etwas kniffliger wird es in der zweiten Stufe. Dann zählen auch die roten Felder, wenn ein Männchen darauf steht. Genauso viele Punkte, wie das Männchen über Wasserfelder schaut. Straßencafebesucher lieben halt den Blick übers Wasser. Sind das die holländischen Wurzeln der Spielidee? Wasser haben die Holländer ja genug ... Diese Version heißt offiziell „Dilemma“ - worauf soll man jetzt setzen? Auf große Wasserflächen, auf gelbe Sehenswürdigkeiten oder auf grüne Parks. Man muss fleißig optimieren, auch wohin die Touristen gesetzt werden. Das ist meine Lieblingsversion, denn auf der dritten Stufe wird es richtig anspruchsvoll.

Da fällt es mir schon schwer, alle Wertungsmöglichkeiten im Kopf zu behalten. Martyn F empfiehlt diese Version deshalb nur Grüblern und Strategen. In Stufe 3 werden die Beziehungen der Felder deutlich komplexer. Jede Farbe ist zusätzlich mit einer anderen Farbe verknüpft, Straßencafes sogar mit zwei Farben: Je einen Punkt für jedes angrenzende Wasser- und Waldfeld (alle orthogonalen verbundenen Felder zählen). Das erfordert um Längen mehr Denke, mehr Schmalz und mehr Rechenaufwand. Oder ein noch dickeres Bauchgefühl. Ich bleibe bei Version „Dilemma“, die ist locker und trifft meinen Anspruch.

Wolfgang Friebe

CITIES von Martyn F für 1 bis 4 Personen, Emma Games 2008


Zuerst veröffentlicht in der Fairplay

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