Dienstag, 18. September 2018

Rezension: Sagrada von Pegasus

Daryl Andrews & Adrian Adamescu: SAGRADA für 1-4 Personen mit Illustration von Peter Wocken Design LLC bei Pegasus 2018 in Lizenz von Floodgate Games, LLC, angegebene Spieldauer 30-45 Minuten

Ich muss dann doch gegen den Strom schwimmen. Mitschwimmen wäre einfacher, geht aber einfach nicht. SAGRADA spricht nicht zu mir. Gut, ich stehe sowieso nicht auf Kirchen und deren Prunk. Kirchen bedrücken mich eher als dass sie mich beeindrucken, aber ich will natürlich auch von einem Spiel beeindruckt werden. SAGRADA schafft das nicht, gar nicht.


Gut, das Spiel hat schlanke Regeln, braucht auch nicht viele. Aus dem Sack kommen für jeden Mitspieler zwei Würfel, dazu noch einer in Reserve. Reihum wählen die Spieler einen, dann in umgekehrter Reihenfolge – wie beim Experten-Siedler – den zweiten. Der übrig gebliebene Würfel ist der Rundenzähler. Nach 10 Runden ist dann auch endlich Schluss.

Natürlich gibt’s Regeln, die nur für die Orthogonalen gelten. Niemals gleiche Farbe an Farbe, niemals gleiche Augenzahlen nebeneinander. Diagonal ist das ganz egal. Vorgaben der Musterkarten müssen erfüllt werden. Beginnen müssen wir am Rand, dann darf beliebig an die schon liegenden Würfel angelegt werden. Das ist so eine Art spielerische Glasmalerei mit etwas zu kleinen Würfeln … aber keine Herausforderung. Das ist schaffbar, dass am Ende nicht ein Feld auf dem Tableau ungefüllt bleibt. Ein bisschen aufpassen, dass man sich nicht selbst austrickst. Und manchmal, wenn gerade nicht der ultimative Würfel fürs eigene Fenster lockt, den anderen einen wichtigen Würfel wegschnappen.

Und dann ist da noch das Ende, ganz besonders die Wertung der privaten Aufträge. Jeder bekommt vorab eine Farbe als seine persönliche Farbe zugelost. Am Ende zählen die Augen auf diesen Würfeln als Pluspunkte. Oha, das kann so oder so enden. Glücklich die, die immer Würfel mit fünf oder sechs Augen in der Auslage finden. Unglücklich alle anderen, denn der private Auftrag schlägt so dermaßen durch, ist meistens spielentscheidend. Da kann man noch so clever die öffentlichen Aufträge verfolgen, ohne hohe Augen bei den privaten Würfeln ist man gelackmeiert. Das zerstört den Kathedralenbau, verleidet ihn mir komplett.

Da fallen ein paar Marginalien fast gar nicht mehr ins Gewicht. Offensichtlich haben die Autoren gemerkt, dass das Spiel wohl noch ein bisschen mehr Zutaten braucht. Deshalb sind 12 Werkzeugkarten im Spiel, mit deren Hilfe lassen sich Würfel im Fenster manipulieren. Eigentlich gut gedacht, leider in die Hose gegangen. Die Symbolik der Karten ist nicht so selbsterklärend, dass man nicht auch immer wieder den winzig kleinen Text lesen muss. Und die Wertungsleiste für die Endabrechnung ist ein wahrer Farbrausch, ansonsten aber nicht brauchbar.

Was bleibt von SAGRADA. Nix! Außer, dass ich doch mal nach Barcelona fahre und mir La Sagrada Familia selbst anschauen und mich wirklich beeindrucken lasse. Von Gaudis Architektur …

Wertung: 2 geht so


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