Dienstag, 14. August 2018

Rezension: Krass Kariert von Amigo

Katja Stremmel: KRASS KARIERT für 3-5 Personen ohne Angabe von Illustratoren bei Amgio 2018, Spieldauer locker mehr als die angegebene halbe Stunde

Ist das schlimm, wenn das Spiel länger dauert, als auf der Packung angegeben? Manchmal ja, hier aber nicht. Dieses Kartenspiel ist zu gut, als dass es zu lange dauert. Obwohl?! Es lässt sich gerade mit vier oder mehr Mitspielern auch gut mit nur zwei statt drei Chips spielen. Das verkürzt das Spiel, aber nicht den Spaß.

Jeder hat dann zwei Chips. Wer als letzter im Durchgang noch Karten auf der Hand hat, verliert einen davon. Wer seinen letzten Chip verliert, schwimmt. Wer schon schwimmt und wieder einen Chip abgeben müsste, hat verloren. Als Einziger! Alle anderen haben gewonnen, egal wie viele Chips sie noch haben.

Wie wird’s gespielt? Es gibt Karten von 1 bis 12, die lassen sich prima kombinieren, wenn sie denn schon in passender Reihenfolge auf der Hand stecken. Die Rangfolge im Stich dürfte klar sein: Einzelkarte < Zweierstraße < Zwilling < Dreierstraße < Drilling. Klar, der Zwölfer-Drilling schlägt alles … nur die Stopp-Karte geht da noch drüber. Das ist dann doof, wenn man mit der Stopp-Karte ausgebremst wird, auf einer Karte hängen bleibt und das Ausspiel verliert. Saudoof …

Drilling mit Jocker
... fürs Volk
Ganz wichtig: Die Karten müssen so bleiben, wie man sie auf die Hand bekommt. Da wird nix umgesteckt. Man darf nur Karten aus der Hand nehmen, wenn sie bereits nebeneinander stecken. Natürlich kann ich mein Blatt optimieren, wenn ich die störende zwischen zwei zueinander passenden Karten ausspiele. Die Eins spiele ich aus, im Blatt habe ich einen 12er-Zwilling. Die Eins ist übrigens bei uns immer „fürs Volk.“ Das heißt bei uns so seit EINER IST IMMER DER A... aka KARRIEREPOKER so.

Wer nicht überstechen kann, fühlt sich krass kariert. Irgendwoher muss der Name ja herkommen. Besonders kariert natürlich, falls keine der beiden Karten mehr ausliegen, die zu Beginn offen vor jedem ausgelegt werden. Dann ist man raus, verliert einen Chip.

Die beiden zusätzlichen Karten sind also für den Fall der Fälle, denn wer nicht überstechen kann oder will, nimmt eine Karte auf. Das kann helfen, ebenso wie die „Nachziehkarte“ für den Gewinner des Stichs. Kommt diese Karte früh, kann man schön die drei neuen Karten kombinieren. Kommt sie spät ins Spiel, dann passen die drei Karten meist nicht mehr so gut zu den wenigen Handkarten. Mit viel Glück aber doch. Wenn ich eine der beiden Nachziehkarten auf der Hand halte, spiele ich die möglichst erst im Endspiel aus. Das gibt dann immer ein großes Hallo, wenn der sicher geglaubte Ausstieg aus der Runde durch die drei zusätzlichen Karten vermasselt wird.


Neben der Nachziehkarte gibt’s noch zwei Sonderkarten, die – wenn man sie mehrfach erhält – fast jedes Blatt zum Omablatt machen. Mit der Stopp-Karte beendet man jeden Stich sofort siegreich. Ein Joker erleichtert die passende Kombination. Ohne die Karten wär KRASS KARIERT aber auch nicht vollständig, es passt einfach alles. Und dass man nicht umstecken darf, ist ein ganz besonderer Reiz des Spiels.

Und je häufiger ich KRASS KARIERT spiele, desto besser gefällt es mir, desto besser gelingt mir trickreiches Spiel. Die Karten sprechen zu mir: Spiel mich, spiel mich! Die Karten haben wir Sommerurlaub bereits durchgenudelt, das Mischen fällt schwer. Aber was hatten wir für einen Spaß! Eigentlich war ich mir ja schon ziemlich sicher, dass VOODOO PRINCE von Reiner Knizia mein Kartenspiel des Jahres ist. Ich spiele KRASS KARIERT tatsächlich ein bisschen lieber. Selbst aus einem „murksigen“ Blatt lässt sich mit Können und einem Quentchen Glück noch viel rausholen. Man muss ja nicht selbst gewinnen, darf nur nicht gänzlich untergehen. Das ich KRASS KARIERT mehr mag, kann auch daran liegen, dass es von einer Newcomerin ist.

Wertung: 5 geht immer

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