Donnerstag, 27. Januar 2011

Rezension: Jäger der Nacht

Yasutaka Ikeda: JÄGER DER NACHT für (4) 5 bis 6 (8) Personen, Kosmos 2010

Thema

Biss zur … das Thema ist längst belegt, aber lizenzfreie Vampire, Werwölfe und ein paar mickrige Menschlein dürfen es trotzdem noch sein. Dieses Spiel handelt von der immer gleichen Geschichte: Halbböse gegen Viertelböse, und wir Menschen sind nicht unbedingt die Guten.

Optik
Natürlich düster, aber längst nicht schön. Die Grafik wirkt so gar nicht wie aus einem Guss, alles sieht so hingekritzelt aus. Der Spielplan ist besonders gruselig. Das Spiel wird unter Wert verkauft.

Mechanik
Nichts als würfeln – auf welches der sechs Felder geht es, und wie viel Schaden wird wem zugefügt? Zu Beginn ist man noch inkognito unterwegs, niemand kennt genau die Identität der Mitspieler. Man sammelt Ausrüstungen und löst Ereignisse aus … und ganz wichtig: Informationen über die Mitspieler. Wer ist was? Vampir, Werwolf, Menschlein? Und wer ist was nicht? Diese Infos sind manchmal leicht kryptisch, man muss und kann sie sich trotzdem merken. Erst wenn man ausreichend weiß, sollte man gezielt austeilen. Werwölfe gegen Vampire – Menschen gegen alle. Oder hält man sich als Mensch klugerweise aus allem raus?
Irgendwann wird jeder sich offenbaren, die Charakter-Karte aufdecken und die Sonderfähigkeit der Figur nutzen. Dann wird offensichtlich, wer mit wem gegen wen eine Koalition bildet, wer wessen Freund und wer wessen Feind ist. Bis dahin muss man mit Teilinformationen auskommen. Wer aufdeckt, offenbart zwar sich selbst, aber weiß immer noch nicht so genau, wer sein Partner ist. Da muss man seine Fühler aufstellen und genau beobachten.

Fazit
Die Lebenspunkte schmelzen dahin, oft ist schneller Schluss als gedacht. JÄGER DER NACHT ist schließlich ein Würfelspiel, und Glück ist auch wegen der Ereigniskarten im Spiel. Aber vor allem erfordert JÄGER DER NACHT subtiles Spielen, genaues Beobachten wer sich wem gegenüber wie verhält. Subtiles Spielen liegt längst nicht jedem, weshalb JÄGER DER NACHT zu einem platten Austeilen verkommen kann. Solch schlichtes Spielen wird dem Spiel nicht gerecht. Als Vampir oder Werwolf zu agieren wird sowieso nicht jedem zusagen. Trotz dieser Risiken und Nebenwirkungen ist JÄGER DER NACHT ein tolles Rollenspiel, fast schon ein kurzes Theaterstück. Wenn man mit den richtigen Mitspielern spielt.

Ranking
Wenn es schlecht für JÄGER DER NACHT läuft, verschwört sich die Spieleszene gegen das Spiel. Zu düsteres Thema für die Einen, zu banal für die Anderen. Noch ein Problem: Nur eine größere Runde kann zu JÄGERn DER NACHT werden. Umso mutiger der Verlag, dieses Spiel überhaupt auf die Spielewelt loszulassen. Wenigstens biss die Jury entscheidet, die JÄGER DER NACHT aus dem Schatten befreien könnte. Einige Juroren sind sicher zu katholisch, als dass sie über ihren Schatten springen könnten. Werwölfe? Vampire? Ja, gerne, stören mich gar nicht.

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