Montag, 30. Juni 2014

Das Ende aller Spielekritik (V) - Ich bin der Nabel der Spielewelt

Jeder Blogger sollte sich von Zeit zu Zeit fragen, wie groß der Abstand zu Wissen und Erfahrung seiner Leser ist. Kann ich das noch in Prozenten ausdrücken, in einer positiven Prozentzahl? Weiß ich noch mehr, kenn' ich mehr Spiele, habe ich Hintergrundwissen? Kommt es darauf allerdings überhaupt (noch) an?
Natürlich ist das Wissen um die ganzen Hintergründe von Spielen, Autoren und Verlagen nicht unbedingte Voraussetzung, um täglich ein anderes Spiel zu rezensieren und noch von den Verlagen hofiert zu werden. Jeder mit ausreichend großem Sendungsbewußtsein kann doch heutzutage seine Meinung veröffentlichen. Vorsicht aber: distanzlose Begeisterung ist nicht der richtige Weg, Spiele sind nicht der Nabel der Welt, und Berufsspieler ist nur dann ein Traumberuf, wenn es um Fußball, Tennis oder Golf geht. Internetseiten über Spiele sorgen also letztlich für die Demokratisierung von Spielekritik und gleichzeitige Beseitigung von Meinungsführerschaft. Immerhin bieten gerade Blogger Meinung direkt aus dem Spielervolk … und nicht aus dem Volk der Weihnachstsspiele- oder überhaupt Geschenkekäufer, nicht mal Meinung von Otto und Erna Normalspieler. Es ist Meinung aus der Szene für die Szene.
Kurioserweise erscheinen mir manche Blogger oder Seitenbetreiber allerdings wie die damaligen großkopferten Altjurymitglieder. Die hatten damals die Weisheit gepachtet und traten auch so auf, hatten aber immerhin schon deutlich mehr Lebens- und Spielerjahre als ich auf dem Buckel. Und heute ist schon mancher „Nachwuchs“ so drauf. Es gibt anscheinend nichts Schöneres, als sich selbst nur an sich selbst zu messen. Gerade Videoblogger sollten sich vorsehen, ihrer eigenen Hybris zu erliegen. Wer sich breit und bräsig vor die Kamera hockt und wie ein Priester Spiele abkanzelt oder zum „Spielestreichler“ mutiert, den kann ich nicht Ernst nehmen. Selbstgerechtes Sendungsbewusstsein und Anwanzerei ist mir echt zuwider.
Die Spieler vorm Bildschirm wissen oft genauso viel vom Spiel, wenn nicht sogar mehr. Früher, als der Abstand zwischen Sender und Empfänger der Spielekritik 70 und mehr Prozent betrug, fiel solches Gebaren nicht unbedingt auf, weil es gar nicht so viele Informationen wie heute gab. Ich konnte es bis zur nächsten eigenen Partie nicht besser wissen, was mir da als Wahrheit verkauft wurde. Heute sollte es aber so gut wie keine Meinungsführerschaft mehr geben, dafür ist zu viel Meinung im Umlauf, wird zu so etwas wie zu einem Grundrauschen und ist leider manchmal weder Fisch noch Fleisch. Was soll ich von Seiten halten, die lang und breit Spiele erklären – das wär' doch Arbeit der Verlage. Selbst die Jury sorgt nur noch für Markt-, aber nicht mehr für Meinungsführerschaft, ist nur noch der Nabel für Kommerz.
So fühle ich auch nur einer als einer unter vielen, der fürs Grundrauschen von Meinung sorgt. Immerhin gibt’s hier klare Meinung, meine Meinung, ob positive oder kritische. Hier auf .:Doppel:Spiel:Kritik:. eher kürzer, dafür in der Fairplay natürlich ganz besonders lang und breit und bestimmt auch mal bräsig.

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