Matthias Cramer: Helvetia für 2 bis 4 Personen bei Kosmos 2011, Grafik von Imelda Vohwinkel, Illustration und Spielfiguren-Design von Franz Vohwinkel
Wie sind die Schweizer eigentlich? Keine Sorge, ich will hier keine Vorurteile ausbreiten. Bei HELVETIA geht es eher gemächlich zu, zeitweilig auch stockend. Nee, das hat wirklich nur mit dem Spiel zu tun, denn jede Produktionskette erfordert sorgfältige Planung. Und es geht auch um die Geburtenkontrolle. In den schweizer Bergdörfern ist es besonders wichtig, ob's ein Mädchen oder Junge wird. Schließlich will man seine Kinder lukrativ in die Dörfer der Mitspieler verheiraten. Dort können die Familienmitglieder mithelfen, Rohstoffe und Waren zu produzieren, die im heimischen Dorf nicht zu bekommen sind. Da ist dann nicht nur wegen der Heirat ein genauer Blick aufs Geschlecht potenzieller Partner erforderlich, es sind auch immer die Produktionsmöglichkeiten im Auge zu behalten. Dafür muss man auch mal den Kopf über den Tisch recken.
Ganz wichtig ist die Zugreihenfolge, in der die Aktionen zugeordnet werden. Böse Sache, das! Da regiert voll die Schaden- und hinterhältige Spielfreude bis hin zur Missgunst. Eine Runde ist nämlich vorbei, wenn alle bis auf einen keine Münze mehr haben. Ganz ehrlich: Wenn man selbst als Letzter noch viele Münzen übrig hat, die anderen aber bereits alles fürs Bauen, Liefern, Aufwachen (wer schläft, kann nicht arbeiten), Heiraten oder Kinderkriegen verballert haben, schwillt selbst auch dem betulichsten Schweizer der Kamm. Mir erst recht.
Ersteinschätzung: HELVETIA ist komplex verwoben ... und böse – nicht vergessen! Es könnte glatt für zwei Spiele in einer Schachtel reichen. Das macht es unübersichtlich. Was man alles anstellen kann? Viel … darüber lässt sich prima grübeln, denken, rechnen, planen. Und wer meint er hat's, rechnet lieber nochmal nach und kommt dann zu einer anderen Planung. Worauf man sich unbedingt einigen sollte: Berührt ist gemacht, und gemacht ist getan. Es gibt kein Zurück, sonst regiert schnell das Chaos. HELVETIA wird dann noch unübersichtlicher als es jetzt schon ist.
Gewinner: Nach einer dreiviertel Stunde der Erklärung und zwei Stunden Spieldauer kann es nur einen Sieger geben: Tom! Wie immer … Er holt gegen Ende mit voller Konzentration und reichlich Tabletalk tüchtig auf und gewinnt mit 24 zu 15 zu 14 Punkten.
Mittelmäßigkeitsfaktor: Gering, dafür ist HELVETIA eindeutig zu anspruchsvoll. Die Frage: Entsteht der Anspruch nur aus der gewissen Unübersichtlichkeit? Ich denke ja, denn die eigentlich guten Anlagen und Ideen in HELVETIA werden davon richtiggehend übertüncht.
Montag, 27. Februar 2012
Sonntag, 26. Februar 2012
Das 191. Montagsspielen am 06.02.2012 (4/2012) mit Helvetia
Ihr seid ja schon zu Dritt. Das dachte sich Herbert wohl, als er sich für heute aus unserem Doodle austrägt. Immerhin füllt Rainer heute unsere ansonsten lichten Reihen. Wir kommen nicht gleich zur Sache, palavern erst noch eine Runde und schauen Videos auf Youtube. Keine Sorge, nix über Spiele, Videorezensionen über Spiele sind mir einfach viel zu lang. Stattdessen schauen wir ein Video über Whisky, genauer Videos von Horst Lüning von whisky.de, spulen allerdings wegen der Überlänge auch vor. Besonders ein Ausschnitt dieses „Spaßvideos“ ist herrlich, da werden seine Aktion vor der Kamera zum Slapstick. Einfach mal ca. 22:00 Minuten vorspulen und zuschauen, wie er in Gummihandschuhen und Schutzbrille den Whisky entzündet. So wurde damals im Wilden Westen der Alkoholgehalt geprüft. Natürlich auch genauso wie Horst Lüning es vorführt. Man hätte sich ja verletzen können.
Auch die Verkostungsvideos von Horst Lüning sind sehenswert. Da kann man sich gut vorstellen, wie es bei unseren Schnapsverkostungen abgeht. Wie er seinen Empfindungen immer freien Lauf lässt … so sind wir auch. Nur läuft uns nicht so das Wasser im Mund zusammen. Und was der Horst immer herausschmeckt und riecht: „Wannillje.“ Die ist immer dabei. Toll! Echt jetzt ...
Rubrik:
Montagsspielen
Donnerstag, 23. Februar 2012
Das 38. Großspielen am 07.02 mit SINNSENS und den alten Gassenhauern
Großer Andrang heute. Beinahe erreichen wir die magische Zahl, um wieder TOKYO TRAIN zu spielen. Naja, bei uns im Wohnzimmer hätten wir eigentlich gar nicht den Platz. Außerdem sind wir dann doch nur zu 13. Heute ist Arne dabei, Großcousin eines Mitspielers. Arne ist tatsächlich halb so alt wie wir. Hat er Spaß beim Großspielen? Oder ist das heute für ihn eher spielen mit Senioren?
Für eine so große Runde ist die Auswahl der Spieler eigentlich ganz einfach: was Schnelles Lustiges soll es sein - muss es sein! Ich neige aber dennoch zu Experimenten, krame gerne in den Tiefen meiner Sammlung.
Heute soll es als erstes SINNSENS werden, ist schön älter, erschien 1997 (Copyright 1995 Hersch and Company) bei Schmidt Spiel und es gibt gleich in der Regel witzige Anmerkungen: „... zur Belustigung des Jury-Teams können alle bis auf ein Spieler aufstehen und sich in eine Reihe nebeneinander stellen.“ Das geht ja gar nicht. Wo kommen wir denn hin, wenn uns die Regel zu etwas zwingen will. Entweder es wird lustig oder eben nicht. Gut gemeinte Hinweise in der Regel können nix, aber auch gar nix, voraus bestimmen.
Bei SINNSENS treten wir in zwei Teams gegeneinander an. Alle Mitglieder eines Teams erklären einem Teamkameraden Wort für Wort den gesuchten Begriff. Jeder erklärt wirklich nur ein Wort, daraus soll dann ein grammatikalisch korrekter Satz entstehen. Am besten ein Satz, der den gesuchten Begriff gut erklärt. Und? Bringt's den Satz dann so zu bilden, dass er genau auf den Begriff führt? Oder ist es nicht besser, den Begriff zu umschreiben und nicht in einen Sackgassensatz zu führen. Was, wenn der Begriff nicht kommt? Neuer Anfang, neuer Satz ...
So ein Spiel hatten wir schon mal beim Großspielen. TEAMWORK setzt dieselbe Idee viel gekonnter um. SINNSENS gerät öfter ins Stocken, weil es doch schwieriger ist, sechs Leute auf einen Gedanken zu trimmen. SINNSENS ist nicht wirklich gut, aber auch nicht total daneben, allerdings wegen TEAMWORK überflüssig.
Den Rest des Abends retten WE WILL ROCK YOU, TICK TACK BUMM und PERFORMANCE. Arne hat bestimmt auch Spaß mit uns und daran, dass Dortmund Kiel im DFB-Pokal besiegt. Der Live-Ticker auf seinem Smartphone hält uns auf dem Laufenden. Ist doch eine andere Generation.
Heute spielen Arne, Andrea, Martina, Jürgen, Steve, Moni, Peter, Eva, Holger, Susanne, Johannes, Diane und ich. Das nächste Großspielen ist am 06.03.2012, dann wieder im Haus Münsterland in Münster-Dorbaum.
Für eine so große Runde ist die Auswahl der Spieler eigentlich ganz einfach: was Schnelles Lustiges soll es sein - muss es sein! Ich neige aber dennoch zu Experimenten, krame gerne in den Tiefen meiner Sammlung.
Bei SINNSENS treten wir in zwei Teams gegeneinander an. Alle Mitglieder eines Teams erklären einem Teamkameraden Wort für Wort den gesuchten Begriff. Jeder erklärt wirklich nur ein Wort, daraus soll dann ein grammatikalisch korrekter Satz entstehen. Am besten ein Satz, der den gesuchten Begriff gut erklärt. Und? Bringt's den Satz dann so zu bilden, dass er genau auf den Begriff führt? Oder ist es nicht besser, den Begriff zu umschreiben und nicht in einen Sackgassensatz zu führen. Was, wenn der Begriff nicht kommt? Neuer Anfang, neuer Satz ...
So ein Spiel hatten wir schon mal beim Großspielen. TEAMWORK setzt dieselbe Idee viel gekonnter um. SINNSENS gerät öfter ins Stocken, weil es doch schwieriger ist, sechs Leute auf einen Gedanken zu trimmen. SINNSENS ist nicht wirklich gut, aber auch nicht total daneben, allerdings wegen TEAMWORK überflüssig.
Den Rest des Abends retten WE WILL ROCK YOU, TICK TACK BUMM und PERFORMANCE. Arne hat bestimmt auch Spaß mit uns und daran, dass Dortmund Kiel im DFB-Pokal besiegt. Der Live-Ticker auf seinem Smartphone hält uns auf dem Laufenden. Ist doch eine andere Generation.
Heute spielen Arne, Andrea, Martina, Jürgen, Steve, Moni, Peter, Eva, Holger, Susanne, Johannes, Diane und ich. Das nächste Großspielen ist am 06.03.2012, dann wieder im Haus Münsterland in Münster-Dorbaum.
Rubrik:
Großspielen
Montag, 20. Februar 2012
Rezension: Florenza von Placentia Games
Viel von allem
Wolfgang Friebe
Stefano Groppi: FLORENZA für 2 bis 5 Spieler bei Placentia Games 2010
Klar hatte ich eine gewisse Ahnung, was mich bei FLORENZA erwartet. Seit MAESTRO LEONARDO und EGIZIA weiß ich, was auf mich zukommen kann. Also, was haben Sie zu erwarten? Tolles Design, gute Funktionalität und massig viel Material. Die Materialschwemme ist eindeutig viel zu viel für jeden normalgroßen Tisch, jedenfalls für Tische außerhalb Italiens. Zu fünft könnte ich FLORENZA nicht mehr auf unserem Küchentisch spielen.
In der Mitte vom Tisch liegt Florenz, mit der Kathedrale und diversen Gebäuden. Die können wir mit Kunstwerken ausstaffieren. Dafür brauchen wir Künstler und Rohstoffe. Künstler werden mit Geld angeheuert, Rohstoffe im eigenen Viertel produziert. Aber nur, wenn dort die entsprechenden Gebäude und die erforderlichen Arbeiter vorhanden sind. Arbeiter braucht man eigentlich für alles, sie können sogar in anderen Vierteln zur Arbeit gehen. Hat sicher ein schlauer Fuchs aus CAYLUS nach Florenz überführt. So ist man dauernd dabei, eine gut funktionierende Produktionskette aufzubauen und sprudelnde Geldquellen zu erschließen, bevor das Spiel nach acht Runden zu Ende ist.
In der Mitte vom Tisch liegt Florenz, mit der Kathedrale und diversen Gebäuden. Die können wir mit Kunstwerken ausstaffieren. Dafür brauchen wir Künstler und Rohstoffe. Künstler werden mit Geld angeheuert, Rohstoffe im eigenen Viertel produziert. Aber nur, wenn dort die entsprechenden Gebäude und die erforderlichen Arbeiter vorhanden sind. Arbeiter braucht man eigentlich für alles, sie können sogar in anderen Vierteln zur Arbeit gehen. Hat sicher ein schlauer Fuchs aus CAYLUS nach Florenz überführt. So ist man dauernd dabei, eine gut funktionierende Produktionskette aufzubauen und sprudelnde Geldquellen zu erschließen, bevor das Spiel nach acht Runden zu Ende ist.
Aber das ist nur das Skelett, das sind die Basics des Spiels. Es gibt viel mehr Regeln für viel mehr italienische Schnörkel. FLORENZA spielt zwar in der Renaissance, ist aber eher barock, es ist in jeder Hinsicht üppig. Da gibt es die lukrative Rolle des Kapitäns des Volkes, die sich jeder mal wegen eines pfiffigen Regeldetails verschaffen kann. Oder der Bischof, mit dem man die Mitspieler ärgern und sich selbst zum Kardinal küren kann, was reichlich Siegpunkte bringt.
Viele Details, viele Regeln machen FLORENZA auch fehleranfällig. Leider wird kein Regelwart mitgeliefert, der im Spielverlauf Fehler unterbindet, uns wieder auf den rechten Weg lotst. Und man bräuchte einen Buchhalter, der einem sofort errechnet, was dieses Bau- oder jenes Kunstwerk kostet und ob man dafür alles parat hat … Arbeiter, Geld, Rohstoffe. Und man bräuchte Zeit, viel Zeit, um die Baukosten der Bau- und Kunstwerke zu studieren, und noch mehr Zeit für die Denkpausen der Mitspieler. Ja, wenn man für das Spiel ein Diplom hätte, alle Details, Kosten und Funktionen der Bauwerke drauf hätte, ginge es vielleicht schneller. Nur leider ist FLORENZA nicht das einzige Spiel auf der Welt. Niemand spielt ausschließlich FLORENZA.
Wahrscheinlich steckt das gesammelte Herzblut Stefano Groppis in FLORENZA, ganz besonders seine Liebe zu Details. Aber ist FLORENZA wirklich markttauglich? Selbst für die Ansprüche von Mehr-Als-Vielspielern? Mmmh, ich hege da so meine Zweifel. Dient es nur der Selbstverwirklichung? Das wird’s sein. FLORENZA ist redaktionell gut bearbeitet, die deutsche Regel ist perfekt, aber FLORENZA bietet und fordert viel zu viel, und zwar von allem. Wenn dann Ihre Spielgruppe das Spiel richtig drauf hat, kann FLORENZA viel Freude bereiten. Kann es ganz bestimmt. Es ist leider viel zu aufwändig, um sich durchzusetzen. Dazu müssten erst viele Schnörkel ab, dass dem Autor das Herz nur so blutet. Bis dahin spiele ich dann vielleicht doch noch mal eine Partie CAYLUS.
Wolfgang Friebe
Stefano Groppi: FLORENZA für 2 bis 5 Spieler bei Placentia Games 2010
Rubrik:
+++ geht,
Placentia Games,
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