Mittwoch, 8. April 2015

Rezension: Nosferatu von Kosmos "geht so"

Pierre-Yves Lebau: NOSFERATU für 5-8 Spieler mit Illustrationen von Ismael bei Kosmos 2014

Ganz verloren? Unrettbar verloren? Für immer verloren?

Stellen Sie sich vor, NOSFERATU klappt beim ersten Spiel. Unwahrscheinlich?! Ich kenne das Gefühl nur zu gut, in den ersten Partien war ich der Ochs vorm Berge. Was muss ich tun? Und noch viel verwirrender: Was für Schlüsse soll ich ziehen? Schaffen es die Jäger, NOSFERATU zu pfählen oder fünf Knoblauch-Rituale durchzuführen. Ist der Vampir schneller und verteilt vorher fünf Bisse? Dass während der Partie niemand vorab ausscheidet, ist ein schnell erkannter Pluspunkt. Jedenfalls für mich, der in jeder Werwolf-Partie immer der erste Tote ist.


Die nackte Mechanik hat jeder schnell drauf: Zwei Karten zusätzlich zu meinen beiden Handkarten ziehen und dann entscheiden: Bin ich ein Jäger, lege ich verdeckt bestenfalls eine Knoblauch-, andernfalls eine Gerüchtekarte in Renfields Stapel. In den offenen Stapel kommt immer eine Bisskarte, denn ich dokumentiere gerne meine Unschuld. Als Vampir wird’s komplizierter: Wie viele Nachtkarten hat mein Kumpel Renfield schon aufgedeckt? Wie viele werden noch kommen bis er die Tagkarte aufdeckt? Sind schon drei, vier Nachtkarten im Stapel, kann ich gefahrlos einen Biss hineinspielen … oder wenigstens eine Nachkarte, die ab der nächsten Runde die Nacht verlängert.

Je länger die Nacht, desto besser für mich als Vampir, denn umso unwahrscheinlicher, dass ich entlarvt werde. Ist die Nacht noch nicht alt, ist es gefährlich, einen Biss in Renfields Stapel zu tun. Zu groß die Gefahr, enttarnt und dann gepfählt zu werden. Und einen Biss offen abzulegen, kann ich mir eigentlich nicht leisten.

Und was macht Renfield? Er ist der einzige, der die Identität des Vampirs kennt. Zu Beginn hat er die Rollenkarten verteilt, einen Mitspieler zum Vampir gemacht. Im Spielverlauf ist er Herr über den Nachtkartenstapel. Er deckt nach jedem Zug – egal ob Vampir oder Jäger - eine Karte auf. Geht die Sonne auf oder bleibt es Nacht? Ist jeder mal an der Reihe gewesen, ist die Runde zu Ende, auch wenn keine Sonnenkarte aufgedeckt wurde. Renfield entscheidet, wer die neue Runde beginnt.

Und was passiert, wenn die Sonne aufgeht? Dann darf der Startspieler, der mit dem Pflock, entscheiden, ob und vor allem wer gepflockt wird. Alle spekulieren, wer NOSFERATU sein könnte. Während der Diskussion muss Renfield seine Klappe halten. Einziger Haken: Wird ein Jäger gepfählt, gewinnt sofort NOSFERATU!

Und hat NOSFERATU selbst den Pfahl in Händen, wird’s kniffelig. Wie redet er sich klug raus, denn er darf als einziger niemals pfählen. Verrät er sich? Immerhin entscheiden bei Sonnenaufgang die Spieler und nicht Renfield darüber, wer die neue Runde beginnt. Am besten der vermeintliche Vampir … und die Sonne geht möglichst sofort auf. Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt, denn ansonsten regiert oft der Zufall.

NOSFERATU ist ein verdammt hakeliges Spiel, wenn nur ein Mitspieler das Spiel nicht durchschaut. Wer wie der Ochs vorm Berge steht, macht allen das Spiel madig. Leider! Nur wer dieses subtile Spiel durchschaut, spielt zielgerichtet, kann Schlüsse ziehen. Sind überhaupt irgendwelche Schlüsse auf die Identität des Vampirs möglich? Wegen der zufälligen Verteilung der Biss-, Knoblauch-, Gerüchte- und Nachtkarten läuft jede Partie anders. Mal schlüssig, mal zieht es sich wie ein Kaugummi.

Und noch was, was besonders Werwolf-Spieler monieren. Es gibt für die Jäger keine speziellen Möglichkeiten. Ist ihnen dann oft zu uninteressant, obwohl NOSFERATU gar nicht so eindimensional ist, wie es zunächst scheint. Subtile Spiele liegen aber längst nicht jedem, subtiles Spielen erst recht nicht. Schade, aber NOSFERATU ist verloren, gerade weil es mehr erfordert als Haudraufundschluss.

Im Übrigen ist nur die Seite echt, in der das Logo auf den Bildern zum Logo oben auf der Seite passt. Alle anderen Seiten haben sämtlichen Inhalt von meiner Seite gestohlen.

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