Dienstag, 16. Juli 2013

+ Bora Bora von Alea

Stefan Feld: BORA BORA für 2 bis 4 Personen bei Alea 2013 mit Illustrationen von Alexander Jung

Ich hab’ da echt ein Problem. Ich weiß gar nicht so richtig, wie ich Ihnen BORA BORA näher bringen soll. Ich krieg’s nicht so recht gepackt: Was geht wie? BORA BORA läuft zwar nur über sechs Runden à drei Phasen, aber ich stehe davor wie der bekannte Ochs vorm Berge. Ich hab’ die Details ja in etwa drauf, aber es sind deren so viele, so Unmengen, dass ich gar nicht so genau weiß, wo anfangen.
Ach, eigentlich kein Problem. Alles beginnt mit dem Wurf der drei eigenen Würfel. Die werden dann reihum verschiedenen Aktionen zugeordnet. Kleine Einschränkung: Der nächste Würfel auf derselben Aktion muss weniger Augen zeigen. Das schränkt nach und nach die Auswahl verfügbarer Aktionen ein, dazu kommt ein perfider Malus: Ein Würfel mit wenigen Augen bedeutet zwar, dass die Mitspieler mit der Aktion normalerweise nicht mehr zum Zuge kommen, aber leider auch eine weniger wirksame Aktion für mich. Also?! Was will ich? Volle Aktionsmöglichkeit mit einer Sechs oder mit einer Eins den Mitspielern ein Schnippchen schlagen?


Ersteinschätzungen:
Und der ganze Rest an Möglichkeiten? … verschwindet unter dem Wust an Details und der Materialschlacht. Ist Stefan Feld vielleicht doch Italiener, denn sein BORA BORA ist in jeder Hinsicht italienisch verschnörkelt. Was man bei BORA BORA alles planen, berücksichtigen, bedenken kann! Was für Pappcounter man von rechts nach links, von oben nach unten bewegen kann! Und was für einen Haufen Material man vorab aufbauen muss! Irgendwie viel Arbeit und kein „Bora Bora“ mit Sonne, Strand und Meer. Eher ganz viel Mehr!
Intuitiv kann ich BORA BORA nicht spielen, ich fühle mich im Dschungel der ganzen Schnörkel schnell verloren. Ist es zu komplex oder zu kompliziert für mich? Der Grad dazwischen ist sowieso sehr schmal. Ich stürze ab, BORA BORA ist mehr kompliziert als komplex. Anders herum: Wer in der Südsee arbeiten geht, wird seinen Weg oben auf dem Grad schon finden ohne auf einer Seite ins komplexe oder komplizierte Tal abzustürzen. Aber werde ich jemals oben bleiben, trittsicher alle Details und Mechaniken beherrschen? Nö, keinen Ehrgeiz mehr.

BORA BORA bietet viele, viele Möglichkeiten an Punkte zu kommen, erfordert allerdings auch große Flexibilität und gutes Timing. Außerdem ist es sehr hilfreich, wenn man die Aufträge schon kennt und sich darauf vorbereitet. Die vielen Wege zum Sieg zu erkunden, finde ich schon sehr reizvoll. Außerdem ist der Würfel-Einsetz-Mechanismus sehr gelungen. Ich würde BORA BORA gerne erneut spielen, aber es darf nicht zu viel Zeit zwischen den Partien vergehen, weil ich sonst die vielen Regeln/Details längst wieder vergessen habe. Zu viert könnte es ziemlich unkalkulierbar zugehen.

Viel kleinteiliges Spielmaterial und eine buchfüllende Beschreibung eröffnen den ersten Einblick in das Südseepanorama. Die Erkundung der in sich zunächst unübersichtlich verschachtelten Spielbereiche ist weder selbsterklärend noch immer logisch. Auch die Spielbeschreibung beantwortet nicht alle Geheimnisse, die sich für den Erstspieler auftun.
Das Ziel, wo konzentriere ich meine verspielten Anstrengungen, welches Engagement bringt den verdienten Sieg usw., lassen sich nicht schnellläufig erfassen. Eher mühsam muss das kleine Atoll erkundet werden. Die einzelnen Aktionsbereiche versuchen keine Verbindung untereinander herzustellen. Eher zusammenhanglos muss besiedelt werden.
Vielleicht reicht das „nur einmal spielen“ nicht aus, um die wirkliche Qualität von Bora Bora zu würdigen.

Gewinner: Unsere härteste Arbeiterin ist Astrid. Sie gewinnt mit dem nötigen Biss und dem perfekten Blick auf die besten Punkte-Mach-Optionen. Sogar die doch so nahe, aber eigentlich ferne Schlusswertung hat sie im Griff. Das Ergebnis: 153 – 141 – 122 Punkte.
Haben wir überhaupt alles richtig gespielt? Ich bin mir sicher, dass wir den einen oder anderen Schnörkel ausgelassen haben. Ich sage nur „Feuerbonus.“

Feldfaktor in 2013: BRÜGGE – RIALTO - … BORA BORA, wobei Astrid RIALTO sogar anstrengender findet als BORA BORA. Trotzdem: Für mich gilt 2013: Wenn's ein Spiel von Stefan Feld sein soll, dann ist es BRÜGGE. Und wenn ich bei BRÜGGE verliere, kann ich es immer noch auf mein Kartenglück schieben. Wenn ich BORA BORA verliere, muss ich mich schämen. Mein Können reicht nicht ...

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