Donnerstag, 8. Juli 2010

Rezension: Numeri

Rudi Hoffmann: NUMERI für 2 bis 4 Personen, Schmidt Spiele 2009, Easy Play, zuerst veröffentlicht in Fairplay 90

Ein alter Bekannter

Früher war doch alles besser. Was waren das für schöne Zeiten, als ich Mitte der Achtziger NUMERI vom Flohmarkt mitbrachte. Meine Sammlung war noch übersichtlich, meine Zeit großzügig bemessen. Da kam so gut wie jedes neue Spiel auf den Tisch, auch neue Spiele vom Flohmarkt. Damals stand das Budget im umgekehrten Verhältnis zur Zeit. Komplexe Spiele mit ausufernder Spieldauer wurden gerne genommen: KINGMAKER oder 1829, nur unterbrochen vom gemeinsamen Abendessen.
Genau genommen haben wir damals NUMERI viel öfter gespielt als diese Kracher. Erstaunlicherweise, denn NUMERI ist deren genaues Gegenteil: kurz, flockig und nur in Maßen taktisch. Ein Würfelspiel eben. Nur erinnere ich mich viel intensiver an stundenlange Spiele, weil ich heute kaum mehr Zeit dafür habe. NUMERI habe ich jahrelang verdrängt, auch die hübsch hässliche Neuauflage FRÖSCHELN von Klee Ende der Neunziger ist tief in meiner Sammlung verschwunden. Vor nicht allzu langer Zeit ist mir die Ausgabe von Berliner in prachtvoller Erhaltung in die Hände gefallen. Wenn ich es schon nicht mehr in meiner Sammlung wiederfinden kann, dann doch wenigstens auf dem Münsterschen Promenadenflohmarkt.
Und das alte NUMERI bewährt sich heute ebenso wie damals. Die Würfelei macht immer noch sehr viel Spaß. Ist ja auch zu einfach. Der Würfel gibt vor, welche der sechs Figuren man auf das nächste freie Feld der Laufbahn setzen darf. Da geht es natürlich weit voran, wenn die Schlange sehr lang ist. Sind die drei letzten Felder der Rennstrecke belegt, wird abgerechnet. Wert der Figur mal Wert des Feldes, das sind die Siegpunkte. Nicht jedes Feld bringt Siegpunkte, und je näher am Ziel, desto mehr Siegpunkte. Kopfrechner vor! Nicht immer gewinnt derjenige, der das Spiel beendet hat. Meistens aber schon, es sei denn, er ist im Kopfrechnen eine echte Graupe.
Kleine taktische Finesse: Wer alle seine Figuren auf der Strecke hat, darf einen Wurf splitten. Statt die Figur mit der Nummer sechs, darf auch die Drei, die Zwei und die Eins ziehen. Funktioniert auch mit der Fünf, der Vier und der Drei. Nur mit der Zwei nicht, denn kein Stein darf zweimal bewegt werden. Alles klar?!
Größere taktische Finesse: Wenn am Ende des eigenen Zugs drei oder mehr eigene Figuren hintereinander stehen, darf man nochmals würfeln. Dann geht es zügig Richtung Ziel. Meistens kommt man mit der Eins, Zwei und Drei auf diese Weise schnell voran. Man muss nur „sehen“, in welcher Reihenfolge man die eigenen Steine ziehen muss. Keine großartige Herausforderung, wirklich nicht, aber dennoch...
Und jetzt hat sich Schmidt dieses alten Schmuckstücks angenommen, NUMERI in ihre Easy Play-Reihe verfrachtet. Und was haben die daraus gemacht? Ein schreiend buntes Etwas, und die Regeln haben sie auch noch geändert. Unverschämt! Früher war doch alles besser. Was würde der Autor dazu sagen? Nichts … ist schließlich schon verstorben. Ich liebe so eine konservative Einstellung. Die schlägt einem immer und überall entgegen. Genauso wie die, dass echte Spieler nur anspruchsvolle Spiele spielen. Es wird alles immer und ausschließlich am eigenen Anspruch gemessen. Wer den nicht erfüllen kann, der ist raus. Wer gibt da noch gerne zu, dass man so leichte Kost wie NUMERI durchaus zu schätzen weiß. Vielspieler spielen so etwas nicht. Nein, tun sie nicht! Dann bin ich eben kein Vielspieler … Geh' mir doch weg mit diesem Ignorantenpack, denn es kann nur einen geben, der Recht hat: Mich! Und ich sage: Die Schmidtschen Änderungen sind so behutsam, so clever, die machen nix kaputt, steigern sogar noch ein bisschen den Spielspaß.
Erste Anleihe aus FRÖSCHELN: Jeder hat statt sechs nur noch fünf Figuren. Zweite Anleihe aus FRÖSCHELN: Statt der Sechs ist ein Stern auf dem Würfel. Stern bedeutet, dass man einen beliebigen eigenen Stein auf das nächste freie Feld setzen darf. Sternsplitten ist allerdings verboten. Das entspannt den doch etwas mühsamen Start. Früher kam doch der ins Hintertreffen, der nicht schnell genug alle seine Figuren ins Rennen brachte. Dritte Anleihe aus FRÖSCHELN: Sobald irgendeine Figur ein bestimmtes Feld abhängig von der Spielerzahl erreicht, darf jeder splitten. Auch das entspannt das Spiel.
Die Laufstrecke hat sich extrem verkürzt. Die Figuren sind jetzt schneller im Ziel ... das Spiel ist viel kürzer. Hallo Herr Redakteur, warum haben Sie das nur getan? Moment noch, ich zähle es doch sicherheitshalber nach ... Es sind jetzt 39 Felder bei Schmidt und ... Augenblick, ich muss nochmal zählen ... das kann nicht sein ... 38 Felder bei Berliner. Das neue Rennen ist ein Feld länger, subjektiv wird das Spiel aber als kürzer empfunden. Gut so. Die ersten Felder bringen jetzt Minuspunkte, wenn es einem nicht gelingt, die eigenen Steine weiter nach vorne zu ziehen. Ließ man früher die hohen Werte hinten vergammeln, kann man sich das heute nicht mehr leisten. Macht es runder.
Jetzt sind endlich vier Würfel im Spiel ... Ich zähl's lieber nach. Mist, ist leider nur ein frommer Wunsch. Früher konnte man sich irgendwelche drei anderen Sechsseiter besorgen, waren halt nur ganz normale Würfel notwendig. Seit FRÖSCHELN zeigt eine Seite einen Stern. Gut - Sechs = Stern – das ginge, ist aber nicht ganz so schön. Schade, Herr Redakteur, hier hätten Sie auch noch punkten können. Jeder mit seinem eigenen Würfel. Geht schneller und macht noch mehr Spaß.

1 Kommentar:

  1. Ja, ich hatte es schon länger auf meiner Wunschliste und nun hab ich es doch für Fünf Euro in Dresden im Karstadt gefunden. Das ist ein wirklich schönes Spiel.

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