Mittwoch, 8. Oktober 2014

Rezension: Parade von Schmidt Spiele

Naoki Homma: PARADE für 2 bis 6 Spieler bei Schmidt Spiele 2014

Nur kleine Karten sind gute Karten


Das Spiel ist nicht nur optisch abstrakt … auch das Spielen selbst bleibt für viele sicherlich abstrakt. So abstrakt, dass die paar Regeln eine hohe Hürde sind. Zumindest für die ersten Züge, wenn man unerwartet viele Karten aus der Reihe nehmen muss. Was, warum denn jetzt die, die und die Karte auch noch. Ganz einfach: Weil es so in den Regeln steht, capisco? Es ist echt zum Verzweifeln, dabei ist es doch so einfach.

Die ausgespielte Karte kommt an den Anfang der Kartenreihe. Welchen Wert hat sie? Genau so viele Karten davor in der Kartenschlange sind sicher, müssen nicht beachtet werden. Alle Karten danach sind potenziell gefährlich, sie will keiner nehmen. Welche davon haben dieselbe Farbe? Nehmen! Welche davon haben denselben oder niedrigeren Wert? Auch nehmen! Ja, wirklich, ist so!
Und wird die letzte Karte vom Stapel genommen, bleibt jedem noch genau ein Ausspiel, erst dann werden Minuspunkte verteilt. Jede Karte zählt so viele Minuspunkte wie deren Wert ist, außer … man hat alleine oder gemeinsam mit Mitspielern die meisten Karten einer Farbe. Dann zählt jede Karte unabhängig vom Wert genau nur einen, einen, einen Minuspunkt. Das kann sich lohnen, auf die Mehrheit zu spielen ... wenn man Zehnen, Neuner, Achten … einsammeln musste. Hauptsache, man kommt an die meisten Karten.


Sechs Farben sind im Spiel, davon sollte man natürlich nicht jede Farbe in Massen ansammeln. Zu viele Karten gefährden den Sieg. Vielleicht kommt man sogar drum herum, überhaupt Karten zu nehmen. Ich schaffe das nie. Vielleicht sollte ich versuchen, mir Mehrheiten zu sichern. Gelingt mir manchmal! Vielleicht … und überhaupt sollte man das Beste aus seinen Karten machen. Tja, da liegt bei mir der Hase im Pfeffer. Wie oft zwingen mich meine Karten ins Unglück? Wie oft fühlt man sich der Karten-PARADE ausgeliefert?

Ich kann mir jetzt denken, dass das kein Spiel für Sie ist. Richtig? Falsch! PARADE ist ein sehr interessantes, aber auch gewöhnungsbedürftiges Spiel. Und minimalistisch ist es obendrein. Und natürlich ist ein Mitspieler dauerbeschäftigt, die Kartenschlange immer wieder und wieder zusammenzuschieben oder zurückzuholen. Die PARADE zieht es immer zum Abgrund, die Tischkante ist ihr Tod. Was mich allerdings stört ist … ja was? Ich bin mir meiner PARADE nicht ganz klar: Soll ich sie hassen oder lieben? Ich liebe es sie zu gewinnen, ich hasse es sie zu verlieren. Ich verliere leider meistens, aber jeder Sieg ist mein persönlicher Triumph.

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