Donnerstag, 31. Juli 2014

Das Ende aller Spielekritik (VI) - Die kalte Sprache der Rezension

Unsere Sprache ist ein Präzisionswerkzeug. Fein ziselieren und grob arbeiten, alles ist damit möglich. Und selbst Emotionen kommen rüber. Oder könnten rüber kommen! Leider lesen sich viele Rezensionen wie Testberichte: Nüchtern, trocken, langweilig. Lange Sätze, Passivkonstruktionen, umständlicher Satzbau.

Wenn ich Rezensionen lese, will ich aus manchen Sätzen 30 Prozent überflüssige Wörter heraus schütteln. Kann ich aber nicht, also lese ich nur noch das Fazit. Der Rest - Einleitung und Regelerklärung – ist mir zu fade. Wäre es nicht schön, wenn Rezensionen eine Melodie oder einen Rhythmus hätten, eine kleine Geschichte erzählten und wenigstens klitzekleine Pointen böten. Ich weiß, das gelingt nicht oft … Vielleicht hilft es, sich mal mit dem Lesbarkeitsindex zu beschäftigen oder für eigene Texte den Flesch-Wert zu berechnen. Dieser Text hat einen Flesch-Wert von 66.

Wenigstens versuchen könnte man es, unterhaltsam statt wissenschaftlich korrekt über ein Spiel zu schreiben. Muss man Regel um Regel sezieren, um ein fundiertes Fazit zu liefern? Ich will auch keine gestelzten Satzkonstruktionen lesen. Oder Texte ohne Charme, die dennoch witzig sein wollen. Schrecklich! Und natürlich bemerke ich, dass sich ein Rezensent für den schönsten, den tollsten und intelligentesten Schreiber alle Zeiten hält …

Naja, ich sitze in demselben Glashaus, was soll ich da mit Steinen schmeißen? Ich bin nicht der Text-Held, den ich hier einfordere. Vielleicht braucht man tatsächlich längeren Anlauf, mehr Zeilen für einen wirklich guten Text. Fürs Internet ist das allerdings keine gute Idee. Da soll doch alles in Kürze auf den Punkt kommen. Außerdem kann man sich bei langen Texten wunderbar verzetteln. Bernward Thole, einer der Altvorderen der Jury Spiel des Jahres, hat mal vor ewigen Zeiten erklärt, dass es hohe Kunst sei, einen kurzen Text kompetent und unterhaltsam zu schreiben. Damals habe ich nur lange Texte in der Fairplay veröffentlicht. Seit ich meinen Blog habe, weiß ich sicher, dass er recht hat.

Kommentare:

  1. Ok, als erstes ein paar Steine ins Glashaus: dein Text bzw. das Layout könnte ein paar (sichtbare) Absätze gebrauchen ;)

    Ansonsten stimme ich dir voll zu. Viele Rezensenten sind leider keine Sprachkünstler – Kunst im Sinne von Können, Effizienz, Stil und so. Nicht künstlerisch.

    Wenn ich Video-Rezensionen bei YouTube überfliege, schreckt mich alles über 12-15 Minuten eigentlich ab. Das mag für ein Schwergewicht-Vielspielerspiel okay sein, für das x-te Karten- oder Familienspiel ist das zu lang.

    Auch im deutschen Sprachraum gibt es einige, deren Meinung ich durchaus schätze, aber deren von Wiederholung über Wiederholung über Relativierung über Abwägungen geprägte Videoreviews ich mir nicht mehr antun kann.

    Keine Namen…

    Aber gute Gegenbeispiele gern: im Englischen fast alle vom Dice Tower – deren Chef, Tom Vasel, legt auf Prägnanz besonderen wert. Außerdem Board to Death Reviews. Im Deutschen großartig: Hunter & Cron.

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    1. Jopp, mit den Absätzen ist nicht so glücklich. Wenn ich den Text in der Textverarbeitung schreibe, ist das übersichtlicher, weil die Absätze gut sichtbar sind. Wenn ich dann den Text in den Blog einstelle, sieht das schon ganz anders aus. Ich will aber auch nicht, eine Leerzeile einfügen, denn das - finde ich - zerreißt den Text zu sehr. Was tun?

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    2. Wenn du irgendwie das CSS bearbeiten kannst, probiere es mal mit dieser Anweisung:

      .post-body.entry-content > div {
      margin-bottom: 1em;
      }

      oder wenn das zu viel ist:

      .post-body.entry-content > div {
      margin-bottom: 0.75em;
      }

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    3. Ist das in etwa die Stelle, wo es rein muss? Und wenn ja, wie? Hab da schon was probiert, aber nix passiert.

      .post-body {
      line-height: 1.4;
      font-size: 110%;
      position: relative;
      }

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  2. Antworten
    1. Also ich finde es schon leichter zu lesen als vorher. Und nicht zerrissen. Aber vielleicht haben mich Nur-Text-Editoren über die Jahre schon allzu sehr an grobschrötiges Layout gewöhnt, ich bin da nicht empfindlich.

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