Donnerstag, 13. März 2014

Rezension: Prosperity von Ystari

Reiner Knizia und Sebastian Bleasdale: PROSPERITY für 2-4 Spieler mit Illustrationen von Arnaud Demaegd und Neriac bei Ystari 2013 im Vertrieb bei Asmodee

Thema: Stadtplanung nach Vorgabe der Herren Knizia und Bleasdale, Feinplanung durch uns.
Optik: Wenn so die Städte der Zukunft aussehen sollen, dann gute Nacht. Lebens- und liebenswert ist die Optik nicht. Was aus gesichtslosen Vorstädten wird, wissen wir doch. Und die Franzosen doch sowieso oder hat Ystary den ganzen Rummel um die Banlieues vergessen?
Mechanik: Die Entwicklung ist vorgegeben. Von 1970 bis 2020 sind jeweils fünf neue Stadtausbauten im Spiel, nur 2030 sind es sechs. In jedem Jahrzehnt wird jede der fünf Wertungen ein Mal ausgeführt, 2030 geht’s sogar zwei Mal um Siegpunkte.
Die Wertungen können positive oder negative Auswirkungen haben, je nach aktueller Ausrichtung der Stadt. Wer gerade auf Energie setzt, wenn Ökologie gewertet wird, hat schlechte Karten. Siegpunkte sollte allerdings jeder generieren. Wer hier ins Hintertreffen gerät, läuft bald aussichtslos hinterher. Nur für den Ausgleich zwischen Energie und Ökologie zu sorgen, ist in PROSPERITY nicht zielführend.
Während der Partie wird man zeitweise mehr auf Energieversorgung setzen müssen. Dafür kommt wieder Kohle in die Kasse, um schneller dann noch teurere Ausbauten zu kaufen, die die negativen Auswirkungen wieder ausgleichen. Ob man das dann noch früh genug, also vor einer ansonsten nachteiligen Wertung schafft? Und neben der Wirtschaft ist auch die Forschung wichtig. Wer darin voran schreitet, kommt auch an höherwertige Stadtausbauten, ohne gleich ein Vermögen dafür bezahlen zu müssen.
Loserstadt
Fazit: Mehr als manchmal ist es entscheidend, welchen Stadtausbau man vom Stapel zieht, was wann gewertet wird. Wenn ein passender Ausbau erscheint, kommt vielleicht alles in einen grünen Bereich, denn Unbehagen ist immer Teil der Stadtplanung: Hoffentlich schaffe ich es noch, meine Ökobilanz auszugleichen, bevor die Ökologie gewertet wird. An die unangenehmen schwarzen Chips, die aufs Punktekonto schlagen können, will ich gar nicht denken.
Und um die Ausbauten setzt scharfe Konkurrenz ein. Wer kann welchen Ausbau kaufen? Wann kommt er in Reichweite, habe ich oder die Konkurrenz dann genügend Geld? Wer einen günstigen Ausbau selbst aufdeckt, wird sich zur Decke strecken, um ihn auch zu ergattern.
Winnerstadt
Und nur in der ersten Partie ist man mit nachhaltiger Stadtplanung beschäftigt. Will ich ein ökologisch korrekter Bildungsbürgermeister sein oder will ich gewinnen? Es geht natürlich nicht um die perfekte Stadt, eine gewisse Unausgewogenheit der einzelnen Faktoren ist unausweichlich. Gerade deshalb beschleicht mich das Gefühl, dass meine Handlungsfreiheit als Bürgermeister doch nicht so groß ist. Bestimmte Handlungsmuster drängen sich auf, taktische Überlegungen wegen der Reihenfolge der Wertungen sind oft entscheidend. Ob man tatsächlich alles auf nachhaltigen Stadtausbau ausrichten muss? Ich hab’ mal auf Dreckschleudern und Geld gesetzt und bin damit grandios gescheitert; ein Mitspieler hat mit derselben Strategie noch siegreich die Kurve gekriegt, weil er am Ende mehr Geld übrig hatte.
Ranking: Die Wertung einer Spielerunde aus lauter Normalos war schon eindeutig: „PROSPERITY ist ein Spiel, das man schnell vergessen wird.“ Das Spiel ist ihnen deutlich zu trocken, zu emotionslos. Den Montagsspielern hat es trotz der flachen Optik und den schlechtesten Wertungsleisten seit RIALTO ziemlich gut gefallen, allerdings ist PROSPERITY zu verkopft und zu normal … und tatsächlich auch noch hässlich. Und nur eine schönere Stadt wäre tatsächlich öfter spielenswert.

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