Donnerstag, 20. Februar 2014

Spiele-Archäologie Teil 9: Bluff von F.X. Schmid bzw. immer noch bei Ravensburger

Das waren Zeiten, als die „besten“ Spiele noch nicht in Deutschland erhältlich waren. Natürlich gab's damals auch bei uns gute Spiele, aber als echter Insider wusste man natürlich um die besonderen Qualitäten amerikanischer Spiele. Es gab damals so einen Profi, der nichts lieber tat, als sich selbst als Quell jedweder spielerischer Erkenntnis hinzustellen. Sie denken doch jetzt hoffentlich nicht an mich?! Sooo alt bin ich nun auch wieder nicht.
Schon damals galt als besonders fachkundig, wer sich mit besonders abseitigen Spielen beschäftigt und sie vor allem auch selbst besitzt. Und damals waren alle Importspiele ziemlich abseitig, da sie nur schwerlich zu beschaffen und dann noch richtig teuer waren. Als Studi hatte ich damals gar nicht die Kohle für solchen Luxus. Der Profi schon, der war schon richtig am Malochen dran. Und ein echter Malocher unter lauter Studis will sich wichtig nehmen. Er wollte hofiert, um seine Auskünfte sollte gebuhlt werden. Er ließ sich mit Wonne von einigen Claqueuren alles aus der Nase ziehen. Und was hab' ich damals getan?
Ich hatte damals schon Herbert zum Kumpel. Der hatte das gesuchte amerikanische Spiel … und ich wusste, wo ein Farbkopierer steht und wo ich gute deutsche Würfelbecher kaufen konnte. Nur die Würfel mit dem Stern statt einer Sechs machten Schwierigkeiten. Immerhin gab's auch damals schon diese kantigen amerikanischen Würfel beim Versender meines Vertrauens. Und mit ein paar handgemalten schwarzen Strahlen um das Einser-Auge hatte ich 'nen Stern und das Spielmaterial zusammen. Ich brauchte keine Schachtel … auch keine Regel. Die hatte sich sowieso schon tief eingebrannt, denn BLUFF ist einfach und vor allem bis heute ein saugutes Spiel.
Zugegeben, man muss schon etwas für MEIERN oder MÄXCHEN übrig haben. Es gibt ja Leute, die einfach nicht bluffen können. Die können sich dieses Spiel dann sparen. Aber sonst hat es jeder halbwegs echte Spieler in seiner Sammlung, und – falls alt genug – schon seit 1993. Echte Insider natürlich schon früher.

Ich hatte damals gerade eine feste Spiele-Kolumne in den Westfälischen Nachrichten. Deshalb dieses Warnung: Es taucht im Text ein Begriff auf, der heute nicht mehr korrekt ist. Denken Sie sich ihn bitte einfach weg. Ansonsten: Keine Haftung für Ihre Assoziationen.

BLUFF

Das heiße Spiel für coole Zocker


Wenn sechs ausgebuffte Typen nach einem Heidenspektakel in angespannte Stille verfallen, sind sie ... nicht in ein Duell zwischen Falschspielern geraten, sondern in eine Spielrunde BLUFF. Bei BLUFF wird nach festen Regeln gespielt oder besser gesagt: Geblufft was das Zeug hält.
Alle schütteln gleichzeitig ihren Würfelbecher aus Plastik, der kurioserweise an die allseits bekannten Negerküsse erinnert. Die fünf Würfel pro Mitspieler lärmen darin jedenfalls ordentlich. Kein Spiel also für stille Stunden. Jeder schaut nur den eigenen Würfel an, um zu gewinnen muss man aber richtig auf die Gesamtanzahl der Würfel wetten.
Der Startspieler wettet, dass z.B. bei 6x5 Würfeln mindestens acht Vierer im Spiel sind. Auf einem Spielplan wird die Wette angezeigt. Ein roter Würfel wird mit der entsprechenden Augenzahl nach oben auf das Feld mit der Zahl 8 gelegt. Der Nachfolger hat immer die Qual der Wahl: Entweder erhöhen oder anzweifeln! Er erhöht, indem er die Anzahl der Vierer auf z.B. 10 verändert oder den Würfel auf eine höhere Augenzahl dreht. Die Wette darf natürlich auch angezweifelt werden. Wenn aufgedeckt wird, zählen alle Sterne bei der gewetteten Augenzahl mit. Die Sterne sind anstelle der Sechs auf dem Würfel und haben als Joker oft spielentscheidende Bedeutung. Auf die Sterne kann man übrigens auch wetten.
Sind weniger Würfel mit der gewetteten Augenzahl im Spiel als angesagt, verliert der Wetter Würfel. Hat er recht, trifft es den Zweifler. Wer als letzter noch Würfel besitzt, gewinnt eine Partie BLUFF.
Alle Mitspieler stehen vor der gleichen Frage: Glaub' ich's oder glaub ich's nicht? Die Mienen der Mitspieler werden hoffentlich nichts verraten. BLUFF ist das richtige Spiel nicht nur für abgebrühte Zocker. Es ist schnell erklärt, und ebenso schnell folgt eine Partie der anderen. Obwohl BLUFF entfernt an Mäxchen oder Meiern erinnert, ist es doch um ein Vielfaches spannender.

Wolfgang Friebe

BLUFF von Richard Borg, (2)4-6 Spieler ab 12 Jahre, F. X. Schmid 1993, damals ca. 35 DM

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Ihren Kommentar.

Nur noch einen (kurzen, längeren, langen) Augenblick, dann schalte ich Ihren Kommentar (bestimmt, vielleicht, nie) frei.

Gänzlich anonyme Kommentare veröffentliche ich nicht.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...