Donnerstag, 28. November 2013

Rezension: Polterfass von Zoch

Andreas Schmidt: Polterfass für 3-6 Mitspieler mit Illustrationen von Alexander Jung bei Zoch 2013

Willkürliche Wirte würfeln weniger

Ab in die Kneipe
Wenn der Wirt meines Vertrauens so drauf wäre: Der wär' mich los, unwiderbringlich! Warum will er mir nicht 13 Bier verkaufen oder fünf oder wenigstens mal zwei. Nur weil er einfach stur ist, keine Fässer mehr würfeln und uns Gäste ganz fürchterlich auf die Nerven gehen will. Dabei hat er doch so ausgesehen, als würde er uns so gerne einen einschenken.
Jedenfalls ist die Bestellung von uns Tresenstehern deutlich größer, als das, was der Wirt jetzt anbieten will. Mann, der lässt sich doch das ganz große Geschäft entgehen. Wenn er nämlich viel mehr Bier zapft, als wir Suffköppe haben wollen, dann kassiert er für jedes überzählige Bier einen Punkt. Es könnten doch so viele sein! Oder hat der Wirt nur Schiss, dass im nächsten Wurf mit den Mini-Fässern keins mehr steht. Soll sich mal nicht so anstellen, klappt schon, und wenn nicht, ist auch nicht schlimm. Ist ja gut für uns, denn dann bekommt der Wirt nix und wir auf jeden Fall unsere Bestellung - und zwar komplett!
Aber so! Wer nicht will, der will nicht. Unser aller Bestellung übersteigt den Wert seiner erwürfelten Fässer. Nur weil er das dunkelbraune mit dem kaputten Fass hat stehen lassen. Hätte er nur den Fassverdoppler auf der anderen Fassseite erwürfelt, dann hätte es schon für alle gereicht. Aber so! Blödmann, Geizhalz, Punkteabschneider!
Jetzt bekomme ich Minuspunkte, nur weil ich die meisten Biere bestellt habe, meine zwei Karten die Sechs und die Sieben zeigen. Und der Schnösel von Gegenüber, der nur ein schlappes Bier bestellt hat, nix ausgeben wollte, der bekommt meine 13 Minus- als Pluspunkte gutgeschrieben. Und der Wirt, was bekommt der? Acht Punkte stehen auf den erwürfelten Fässern, das ist doch nix. Wären doch viel mehr drin gewesen, hätte er nur nochmal gewürfelt. Alter Schisser.
Zu so einem soll ich in die Kneipe gehen? Nee, kommt nicht in Frage. Lieber gehe ich in die Kneipe seines rechten Nachbarn. Der nächste Kneipier ist bestimmt besser drauf, würfelt viel für seine besten Kunden. Aber wenn ich mir den so anschaue, das ist bestimmt ein ganz Schlauer. Der würfelt auch nicht weiter, also bin ich jetzt lieber vorsichtig. Nur ein Bier - wie der Schnösel letztens - wird bestellt. Der erste Wurf des Wirts ist ja nicht so sonderlich gut, nur zwei Fässer stehen. Außerdem, wie er schon guckt, da ist bestimmt nix für uns drin.
Und was macht der Sack? So ein blöder Wirt, der würfelt doch nochmal ... und nochmal ... Na hoffentlich verreckt er an den Fässern, dass keins mehr stehen bleibt. Los ... ein letzter Wurf: 31 Fässer und ich will nur eins davon. Bin ich blöd?! Und es reicht für alle, besonders natürlich für diesen fiesen Wirt.
So ein Stuss!? Wie soll ich denn wissen, was da für ein Typ Wirt vor mir sitzt, wie oft der wohl würfeln wird. Ich hab' keinen Schimmer, Null Ahnung, nicht mal ein gewisses Bauchgefühl. Nur meine Mitspieler scheinen irgendwie den richtigen Riecher zu haben, die Mistkerle! Aber sei's drum, ich komme auch mal auf 75 Bierchen. Denn gleich bin ich der Wirt. Und ich werd's euch Suffköppen schon zeigen. Und wenn nicht, dann ist POLTERFASS das dämlichste, doofste, ungerechteste und unkalkulierbarste Würfelspiel der Welt. Aber seit wann geht man denn wegen Wahrscheinlichkeiten in die Kneipe? Nur einladender sollte diese Kneipe denn doch sein. Von außen ist sie mehr pfui als hui.

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