Donnerstag, 4. April 2013

Rezension: Coyote von Kidult

Alberto Spartaco Albertarelli: COYOTE für (2)4 bis 6 Spieler bei Kidult Game 2003, 2006 als POW WOW in einer überarbeiteten Version bei Ravensburger erneut erschienen.

... vom Stamm der Indianer

Das muss jetzt wirklich sein! Ich muss in Ihre Wohnung ... sonst brauchen Sie gar nicht weiter zu lesen. Es führt definitiv kein Weg daran vorbei! Okay, dann schließen Sie ruhig schnell noch Schlafzimmer- und Küchentür. Es interessiert mich sowieso nicht, wie's da bei Ihnen aussieht. Brauchen Sie wirklich so viele Spiegel? Hauptsache, keiner davon hängt im Spielzimmer ... der müsste weg, außerdem auch alle Fensterscheiben. Davon können Sie sich nicht trennen?! Dann müssen wir wohl oder übel woanders COYOTE spielen. Haben Sie wirklich keine Vorhänge? Nein, das geht alles so nicht. Nirgends darf sich etwas spiegeln, auch nicht auf der Klappe Ihres aufgebockten Backofens in Edelstahloptik. Alles zuhängen!
Na endlich, der Vorhang ist zugezogen, der Glasrahmen abgehängt und die Backofenklappe mit einer Zeitung zugeklebt ... warum zieren Sie sich jetzt, das Stirnband aufzusetzen? ... die Frisur? ... sieht blöd aus? Bei Ihnen doch nicht! Also, was wollen Sie? Spielen! Dann bitte, nehmen Sie endlich das Stirnband, machen hinten einen Knoten rein, und das Klettband hübsch nach vorne! Vorne, zwischen Stirnband und Stirn pappen Sie jetzt, wie die anderen auch, eine Karte. Aber bitte nicht vorher anschauen, auch nicht aus Versehen.
Hugh, jetzt sind wir endlich echte Indianer! ... vom Stamm der blöden Spieler, die sich wirklich jeden Mist antun müssen. Welcher echte Indianer würde schon seine Feder oder Karte vorne am Kopf tragen? Das machen doch nur Sie ...
Aber wenn die Karte hinten säße, machte COYOTE nur halb so viel Spaß. Sie dürfen anfangen und gleich mal den Gesamtwert aller Indianerkarten auf den Köpfen schätzen. Natürlich kennen Sie die Summe nicht, oder haben Sie etwa Stielaugen, um Ihre eigene Karte sehen zu können? Als, was ist Ihr Tipp? 25! Sind Sie sicher? Ich sehe nur ... psst, ich denke hier nicht mehr laut. Es sind nämlich doch 27. Der nächste bitte. Erhöhen oder anzweifeln, aber dalli! Wer zu lange rechnet, verrät sich schon. Oder ist es ein Doppelbluff? Dauert's noch? Es sind schließlich nur 1, 2, 3, 4, 5, 10, 15 und 20iger Indianerkarten im Spiel. Was kann man da für Summen bilden, wenn Sie alle anderen und nur nicht die eigene Karte sehen? Oder spiegelt sich Ihre Karte doch noch irgendwo? Sie brauchen mal kurz die Regel? Warum, haben Sie die Bedeutungen der vier Sonderkarten vergessen. Ja, dann muss ich davon wohl eine haben, ich sehe nämlich weder Häuptling, Dämmerung, Squaw noch Tipi. Oder ist es ein Soldat, der 5 bzw. 10 Minuspunkte zählt? Also jetzt nochmal zum Mitschreiben: Der Häuptling verdoppelt den Wert aller Indianerkarten. Dämmerung zählt nix, aber alle Karten, abgelegte und unbenutzte, werden wieder gemischt. Die Squaw setzt die höchste Indianerkarte auf Null und beim Tipi wird nach dem Anzweifeln noch eine Karte zusätzlich aufgedeckt. Haben Sie jetzt alles auf der Rechnung? Sind jetzt alle Unklarheiten beseitigt? Solche Unterbrechungen stören den Spielspaß. Noch eine Frage, und Sie kommen an den Marterpfahl. Kommen Sie mir jetzt ja nicht damit, dass COYOTE von einem gekonnten Bluff lebt, Sie haben die Bedeutungen doch vergessen, deshalb erhöhe ich auf 35. Und der nächste Spieler bezweifelt es. Mist, es sind nur 30. Dafür setzt es einen Coyoten-Chip, der vorne auf das Klettband gepappt wird. Wer drei hat, ist raus.
Überarbeitete Version von Ravensburger
Bis dahin wird immer viel gelacht und gezittert. Wer ist der König der Bluffer? Erstaunlich, wie aus blödsinnig ausschauenden Indianern begeisterte Spieler werden. Spielen Sie dieses Spiel ruhig mal in einer Kneipe ... wenn Sie sich trauen, für ziemlich dämlich gehalten zu werden. Danach sitzen garantiert jede Menge Menschen rund um die Spielrunde und wollen auch mal mitspielen. Als dämlicher Indianer ist alles erlaubt, Hauptsache der Bluff sitzt. Nur bis zum bitteren Ende sollten Sie nicht spielen. Wenn sich nur noch zwei gegenüber sitzen, wird COYOTE doch ziemlich merkwürdig. Spielen Sie lieber so lange, bis der erste drei oder fünf Coyotenchips vorne pappen hat, und beginnen Sie dann wieder eine neue Runde. Wen interessiert schon, wer bei COYOTE gewinnt? ... und Mitspieler, die eine gewisse Abscheu gegen anderer Leute Körperflüssigkeiten haben, sollten Sie auch nicht mitspielen lassen, so oft wie schon Karten zwischen Band und Stirn dem Schweiß des Zweifels ausgesetzt waren.
Federn der Ravensburger Indianer

Diese Rezension ist erstmalig 2004 in Fairplay 68 erschienen.

Zuerst veröffentlicht in der Fairplay

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