Donnerstag, 13. September 2012

Rezension: Village von eggertspiele

Inka und Markus Brand: VILLAGE für 2 – 4 Personen bei eggertspiele 2011, Vertrieb durch Pegasus Spiele, Illustration von Dennis Lohausen

Das Leben ist so grausam, besonders wenn der Tod zu früh zuschlägt. Plötzlich arbeitet niemand mehr auf dem Hof. Ohne lebenden Pöppel auch keine Ernte mehr. Keiner mehr, der den Pflug vor Ochse oder Pferd einspannt. Oder selbst Hand anlegt. Dabei habe ich doch alles sorgfältig eingefädelt. Vater, Bruder und Onkel sind bereits eines frühen Todes gestorben, gewollt und bewusst. Nur wer früh stirbt und schon beruflich tätig geworden ist, bekommt ein schönes Grab und wird in der Dorfchronik verewigt. Wer zu spät stirbt, wird hinter der Kirche anonym beerdigt … was gar nichts bringt, außer manchmal das Spiel schneller zu beenden. Sind alle Gräber belegt, die lukrativen in der Dorfchronik oder die schäbigen hinter der Kirche, steht der Sieger fest.
Nicht dass sie mich jetzt als kalten Patriarchen sehen, der seine Verwandtschaft in den Tod schickt. Das Wohl meiner gesamten Familie geht schließlich vor, und jedes Mitglied muss sein Scherflein dazu beitragen. Und Tod gehört nunmal auch zum Leben.
Überhaupt gehört ganz schön viel zum Leben auf dem Dorf. Es gibt Handwerksbetriebe, ein manchmal lukrativer Markt, Reisen in die Ferne, regelmäßige Getreideernten, die für unser Dorf ziemlich pompöse Ratsstube, Geburten und die Kirche. Sich überall zu engagieren ist längst nicht so lukrativ, als gezielt auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Kirche, Ratstube und Fernreise locken mit vielen Siegpunkten. Der Markt auch. Oder auch nicht. Früher Tod wird belohnt. Die Mitglieder der ersten Familiengeneration werden so oder so sterben, weshalb ich sie tatsächlich gerne zum Sterben in die Kirche, in einen Handwerksbetrieb oder ins bombastische Rathaus schicke. Und natürlich auch auf Reisen. Wenn meine Familie viel von der Welt sieht, zahlt es sich in vielen Punkten aus… aber nur, wenn nicht das halbe Dorf auf Reisen gehen.
Ach, das Leben auf dem Dorf ist ebenso bunt, wie anstrengend. Was man alles im Auge behalten muss!? Natürlich auch den Nachwuchs. Der Hochzeitplatz vor der Kirche ist meistens umkämpft. Jeder braucht irgendwann doch Nachwuchs. Um der gesicherten Zukunft willen greift man schon mal zu Peststeinen, was einem Familienmitglied den Tod näher bringt. Überhaupt der schwarze Tod: Die Pest sorgt dafür, dass auch in Familien mit langlebigen Mitgliedern von Zeit zu Zeit jemand ins Gras beißen muss.
Ach, auf dem Brett tobt das Leben und der Tod. Und wie in jedem Dorf gibt's für bestimmte Aufgaben Spezialisten. Will sagen: Das Dorfleben ist prall, lässt viele unterschiedliche Strategien zu. Und dass ausgerechnet ich immer wieder mit meiner Familie auf die Nase falle! Meine Pläne sind doch perfekt! Und doch stelle ich mir so manches Mal selbst ein Bein. Plötzlich stirbt der Opa, noch aus der ersten Generation, war er doch die Stütze auf meinem Hof. Heißt für mich: Ich bleibe ohne Korn, damit auch ohne Geld. Und Geld ist für den Karrierestart des zweiten Sohnes in der Kirche sehr hilfreich, die Kirche nimmt es eben gerne von den Lebenden. Später ist wieder Korn für den weiteren Aufstieg in der Kirchenhierarchie zwingend notwendig.
Neulich bin ich sogar mal ganz perfide ausgebootet worden. Ich habe übersehen, dass ich ausgerechnet meinen jüngsten Enkel auf Reisen geschickt habe. Eigentlich habe ich ihm zum Sterben in die Ferne geschickt, damit der letzte freie Platz in der Dorfchronik gefüllt wird, und ich VILLAGE siegreich beenden kann. Aber der gute Junge wollte und wollte einfach nicht sterben, was ich hätte wissen müssen. Derweil holten die anderen Familien, denen samt und sonders ein langes Leben beschienen war, tüchtig auf. Ich verrate Ihnen besser nicht, dass ich in der Partie Letzter geworden bin. Das nächste Mal, das sage ich Ihnen, mache ich alles besser. Viel besser! Und dann passe ich auch auf, dass die schwarzen Pestquader in den Beutel mit den Aktionsklötzen kommen und keinesfalls im schwarzen Beutel der Kirchenmänner verschwinden. Schwarz gehört in diesem Fall nicht zu Schwarz. Erst dann ist VILLAGE richtig perfekt, dann fühle ich mich dort richtig heimisch. Und natürlich, wenn meine Familie Eingang in die Dorfchronik gefunden hat.

1 Kommentar:

  1. Hallo zusammen,
    es gibt nur wenige Spiele, die mich so fesseln und begeistern wie Village. Gerade die vielfältigen Möglichkeiten bieten den Spielreiz bis zum Ende. Selten ist ein falscher Zug in den ersten Runden schon das aus, wie das leider manchmal bei anderen Spielen ist. Kein Bereich des Dorfes ist zwingend notwendig. Auch ohne einen einzigen Mann in der Kirche oder eine einzige Frau im Rathaus, ist der Sieg in Village möglich. Genau dies begeistert mich an diesem Spiel. Das Spielthema ist interessant und der bejahende Aspekt zum Tod ist eine seltene aber erfreuliche Ausnahme in der Spielewelt.

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