Donnerstag, 14. Juni 2012

Interview mit Ralf zur Linde und Stefan Dorra zur geänderten Ausgabe von Eselsbrücke


Welche Version gefällt dir denn jetzt am Besten? Die abgeschwächte oder die mit den drakonischen Strafen?

Stefan Dorra
Die neue Version bietet einen einfacheren Einstieg. Insbesondere der Rundenanzeiger wurde übersichtlicher gestaltet. Zudem wurde die Wertung etwas entschärft. Das Spielgefühl, das ich an Eselsbrücke wirklich faszinierend finde, bieten jedoch beide Versionen.

Wer ist denn überhaupt initiativ geworden, die ESELSBRÜCKE umzubauen und warum wurde überhaupt daran gedacht, euer Spiel zu verändern?

Ralf zur Linde
Die Initiative ging von uns Autoren und der Redaktion aus. Dazu muss man wissen: im Laufe der Entwicklung gab es mehrere verschiedene Versionen des Spiels; mit und ohne Spielplan. Der Spielcharakter schwankte immer ein wenig zwischen anspruchsvollem Familienspiel einerseits und vollkommen glücksunabhängigem sowie komplex-austariertem „Freakspiel“ andererseits. In einer besonders scharfen Variante musste man beispielsweise bei einem Fauxpas immer die Hälfte seiner bereits gewonnenen Kärtchen wieder abgeben. Wir haben durchaus stets versucht, das Spiel so zu gestalten, dass auch Familien und Normalspieler leicht einen Zugang bekommen und uns deshalb letztlich gegen derart harte Strafen entschieden. Zugleich haben wir ja auch die Stopp-Esel eingeführt, die einen Spieler vor etwaigen Punktverlusten ein wenig schützen können. Dass die Punktverluste der Erstauflage trotzdem immer noch als zu scharf empfunden wurden, haben wir eigentlich erst aus den ersten schriftlichen Kritiken - insbesondere von Familien und Normalspielern - erfahren. Unser Spiel kam supergut an, aber gewünscht wurde offensichtlich ein noch milderer, freundlicherer Gesamtverlauf des Spiels. Als dann die Erstauflage verkauft war, wollten wir die Chance zur Optimierung nutzen und entschlossen uns daher, auf die Kritiken zu reagieren und im Rahmen der Neuauflage minimale Änderungen vorzunehmen. Diese bezogen sich auch und vor allem auf die sanfteren Punktverluste gegen Ende des Spiels.

Und jetzt mal konkret? Was hat sich geändert, richtig oder nur marignal?

Ich habe die Änderungen schon vor einem halben Jahr auf meiner Homepage aufgeführt
  • Die Spielertableaus sind jetzt beidseitig bedruckt. Auf einer Seite gibt es ein Spiel mit einer kürzeren Spieldauer.
  • Die Anzahl der Plättchen, die man bei einer „Gedächtnislücke“ abgeben muss, wurden reduziert.
  • Die einzelnen Spiel-Aktionen wurden auf der Wolke in der Spielmitte übersichtlicher dargestellt.
  • Ein gewonnener Stopp-Esel sichert nicht nur die bereits gewonnenen Kärtchen. Der Esel selbst muss auch nicht mehr abgegeben werden.
  • Wenn ein Spieler das letzte Bild einer Geschichte selbst auf der Hand hält, muss er nicht mehr den Begriff unter der Wolke benennen. Stattdessen darf er das Kärtchen einfach auf seinen Stapel legen. Hier ist das Spiel ein wenig glücksabhängiger geworden.

Sollen das wirklich die Gründe sein, damit die Jury die ESELSBRÜCKE nominieren konnte? Ich meine, die ESELSBRÜCKE funktionierte doch vorher auch tadellos, mal abgesehen vom Gemurre über die Strafen und die etwas zu lange Spieldauer. Mir hat schon die erste Version gut gefallen. Was mir allerdings nicht gefällt, ist die Verlagerung der Werkbänke der Redaktionen auf meinen Spieltisch. Im Ende ... aller Erstauflagen habe ich das Thema bereits aufgegriffen, allerdings eher in Bezug auf die vielen kleinen Verlage in Essen mit ihren Erstlingswerken. Wie seht ihr das mit der ESELSBRÜCKE?

Die Jury hat ja ganz ausdrücklich die Neuauflage der ESELSBRÜCKE nominiert. In der Tat liegt mit eben dieser Neuauflage nun ein Spiel vor, das durch die benannten Änderungen insbesondere hinsichtlich des freundlicheren Gesamtverlaufs im höchsten Maße familientauglich ist. Wir selbst sind erstaunt darüber, wie egal den Spielern der ESELSBRÜCKE die nun durchaus existierenden glücksabhängigen Elemente sind. Der Spielspaß gründet bei ESELSBRÜCKE eben nicht auf einem möglichst gerechten und eben auch strafenden System, sondern auf den teils hochemotionalen Momenten, die das Spiel beim Fantasieren von Geschichten und deren späterem Erinnern bei den spielenden Menschen freisetzt. Von einer Verlagerung der Werkbänke auf deinen Spieltisch kann hier mitnichten die Rede sein, denn es ist hervorzuheben, dass die Erstauflage absolut keine Fehler besaß, die etwa mit einer Neuauflage hätten korrigiert werden müssen. Es handelte sich zu keinem Zeitpunkt um eine nachgelieferte Regelklarstellung in Form eines FAQ-PDFs, wie Matthias Hardel dies in seinem Kommentar zur diesjährigen Nominierung in der aktuellen spielbox-Ausgabe, sicher aber bezogen auf andere Veröffentlichungen in der Branche, andeutet. Die Erstauflage war absolut fehlerfrei und in sich rund. Im Gegenteil: Ich glaube, dass in unsere ESELSBRÜCKE im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen ganz besonders viel Herzblut und Entwicklungszeit geflossen sind.

Ich bereue bei einigen Erstauflagen aus Essen, dass ich nicht auf die verbesserte zweite Auflage gewartet habe, deshalb mein Einwand mit der verlängerten Werkbank. Dieses unschöne Gefühl habe ich bei der Erstauflage der ESELSBRÜCKE nicht. Vielleicht aber doch: Ist der Sack jetzt endlich groß genug, dass alle Plättchen ohne Probleme hineinpassen? Und gibt's irgendwann thematische Ergänzungen, also Plättchen zu Themen wie ...

... Kids Stuff, Ferne Galaxien und Rock'n'Roll? Ja, das ist absolut denkbar, zumal das all jenen Spielern entgegenkommen dürfte, die zwischen 2 Partien ESELSBRÜCKE immer einen gewissen zeitlichen Abstand brauchen, um nicht die Geschichten zweier Partien durcheinanderzuwerfen. Seltsamerweise brennen sich manche Geschichten aber auch so unglaublich tief ins Hirn ein, dass man sie fast nicht wieder los wird. Das überrascht selbst uns immer wieder. Und genau das ist ja auch die Stärke herkömmlicher Eselsbrücken: ihre enorme Haltbarkeit. Ein Mitspieler unserer Spielrunde, übrigens ein Amerikaner, glaubt sogar, dass eben dieser Haltbarkeitsaspekt der ESELSBRÜCKE vielleicht sogar zu einem Klassiker in deutschen Wohnzimmern verhilft. ESELSBRÜCKE sei die deutsche Antwort auf TABU.

Und der Sack? Was ist mit dem Sack?

Man kann ganz einfach die Kärtchen mit einer Schere an allen 4 Seiten etwas beschneiden. Dann passen auch alle Kärtchen ins Säckchen und es ergeben sich ganz nebenbei sogar ein paar neue Motive.

Oder man nimmt sich in Essen am Schmidt Stand eine große Schmidt Stofftüte mit!

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