Donnerstag, 9. Februar 2012

Spiele-Archäologie Teil 1: Acquire von Sid Sackson


Acquire von Sid Sackson

Jetzt-Einschätzung:
Ich habe es getan und ein gaaanz altes Spiel gespielt, trotz der ganzen Neuheiten. Was mir jetzt bei ACQUIRE auffällt: Das ist ein Spiel für Jungs. In einer gemischten Runde, zwei Damen und drei Herren, waren die Sympathien klar verteilt. Den Damen gefällt das ganze Hantieren mit Geld und Aktien überhaupt nicht, war ihnen viel zu abstrakt. Wir Herren hatten deutlich mehr Spaß am Spekulieren, Taktieren und Fusionieren. Klar, wer keine passenden Steine hat, um Hotelketten miteinander fusionieren zu können, ist irgendwann finanziell abgemeiert. Aber was soll's? Stopp, diese Partie ACQUIRE war ganz schön frustig. Wir Herren machen und tun, mühen uns, rechnen … und was passiert? Der Kampf um die Hotelketten geht an anderer Stelle richtig rund. Und wer gewinnt? Keiner von uns. Inga F. aus E. gewinnt deutlich mit 38100. Wir anderen haben mindestens 12000 weniger in der Kasse. Schmach und Schande … ein Männerspiel auch noch so hoch zu verlieren.

Was uns allen nicht gefallen hat, ist die Optik des Spiels. Voll retro, aber eben nicht schön. Die Aktien sind einfach nur billig. Plastik ist einfach nur hässlich. Dass das Spiel erst von 1993 ist, hätte ich nicht mal mehr gedacht, diese große Ausgabe von Schmidt sieht aus wie verspätete 1980er-Jahre. Da gab es bereits weniger „schöne,“ dafür funktionalere Ausgaben. Ich glaube, es gab sogar ein ACQUIRE von 3m mit Holzsteinen.

Wie wohl das neu angekündigte MEGACQUIRE ankommen wird? Auf Seite von MEGAYQUIRE gibt es auch einen Abriss über die verschiedensten Ausgaben, englische wie deutsche.

Rückblick:
Mitte der 1980er-Jahre, ganz am Anfang meines Spielerlebens, habe ich nur über das Spiel gelesen. Mir war klar: ACQUIRE musste ich haben. Nur leider gab es das damals nirgendwo mehr zu kaufen. Und an Flohmärkte habe ich damals gar nicht gedacht. Aber damals war es durchaus noch lukrativ bei Dorfspielwaren- oder Schreibwarenläden nach alten Spielen Ausschau zu halten. Und siehe, in Albachten bei Münster gab es einen abseits liegenden Tante-Emma-Laden, in dem noch ein HOTEL-KÖNIG auf mich wartete. Mann, was war ich damals stolz. Und gut war das Spiel auch noch.

ACQUIRE wurde von Sid Sackson, dem Altmeister der Spielerfinder, entwickelt. Bereits 1968 schaffte dieses Spiel den Sprung über den großen Teich, erschien bei 3M, später erneut bei Schmidt Spiele. Seitdem genießt es unter hiesigen Spielern einen geradezu legendären Ruf. ACQUIRE ist sogar so gut, dass Schmidt Spiele später noch mit HOTEL-KÖNIG und HOTEL-HAIE mehrere deutsche Ausgaben herausgegeben hat, zuletzt 1993. Da erschien ACQUIRE wieder unter dem Originaltitel in einer Riesenschachtel mit Plastikhotels, ebenfalls bei Schmidt Spiele. Hasbro hat 1997 eine Ausgabe ins Rennen geschickt, die in Deutschland verkauft worden ist.

Zu Sharewarezeiten gab es sogar mit OIL-BARON einen DOS-Nachahmer, der immer noch im Netz erhältlich ist.


Rezension der Schmidt-Ausgabe von 1993:
(Ist damals bereits in den Westfälischen Nachrichten erschienen. Mann, was habe ich damals viele Ausrufezeichen gesetzt!)

Spekulieren, taktieren, fusionieren...

Was auf den ersten Blick als Spiel für (männliche) Yuppies erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als hochkarätiges Wirtschaftsspiel um Hotelketten. Wirtschaftsspiele fristen bislang zu Unrecht ein Schattendasein, bieten doch solche Spiele, und ganz besonders ACQUIRE, anspruchsvolle Unterhaltung. ACQUIRE ist kein Bier- und Brezel-Spiel für zwischendurch, dafür aber spannend und aufregend!
Wenn man sich durch die umfangreiche, aber klare Regel gearbeitet hat, kann die Hatz auf die Millionen beginnen. Auf einem fest umrissenen Stadtplan entstehen bis zu 7 Hotelketten. Kleine Plastikgebäude werden auf dem Stadtplan-Raster errichtet. Da die Bauplätze begrenzt sind, stoßen die einzelnen Ketten aneinander: Es kommt zu Fusionen. Die größere schluckt die kleinere Kette. Bei den Fusionen schlägt die Stunde der Aktionäre. Die beiden Hauptaktionäre der geschluckten Kette erhalten saftige Abfindungsprämien. Mit dem so erworbenen Geld können wieder neue Aktien von anderen Hotelketten gekauft werden... Die nächste Fusion kommt bestimmt!
Pro Runde führt jeder Spieler 3 Aktionen aus. Zuerst muß ein Hotelgebäude auf dem Spielplan errichtet werden. Man darf nur auf einem der 6 Grundstücke bauen, die man selbst besitzt. Grundstücke zwischen 2 Hotelketten sind wegen der möglichen Fusionen sehr wertvoll! Dies gilt ganz besonders, wenn man selbst Anteilseigner der kleineren Kette ist. Anschließend können bis zu 3 Aktien von beliebigen Hotelketten gekauft werden: man denke an die Prämien für die Hauptaktionäre! Zuletzt zieht man verdeckt eine Grundstückskarte nach.
ACQUIRE ist ein klasse Spiel, nur der hohe Preis wirkt trotz der guten Ausstattung eher abschreckend. Also doch ein Spiel für Yuppies? Eigentlich nicht, denn wer anspruchsvolle Spiele mag, sollte vor dem Preis nicht zurückschrecken!

Wolfgang Friebe

ACQUIRE von Sid Sackson, (2)3-5(6) Spieler ab 12 Jahre, Schmidt-Spiele 1993, ca. 90 DM

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