Montag, 27. Februar 2012

+ Helvetia

Matthias Cramer: Helvetia für 2 bis 4 Personen bei Kosmos 2011, Grafik von Imelda Vohwinkel, Illustration und Spielfiguren-Design von Franz Vohwinkel

Wie sind die Schweizer eigentlich? Keine Sorge, ich will hier keine Vorurteile ausbreiten. Bei HELVETIA geht es eher gemächlich zu, zeitweilig auch stockend. Nee, das hat wirklich nur mit dem Spiel zu tun, denn jede Produktionskette erfordert sorgfältige Planung. Und es geht auch um die Geburtenkontrolle. In den schweizer Bergdörfern ist es besonders wichtig, ob's ein Mädchen oder Junge wird. Schließlich will man seine Kinder lukrativ in die Dörfer der Mitspieler verheiraten. Dort können die Familienmitglieder mithelfen, Rohstoffe und Waren zu produzieren, die im heimischen Dorf nicht zu bekommen sind. Da ist dann nicht nur wegen der Heirat ein genauer Blick aufs Geschlecht potenzieller Partner erforderlich, es sind auch immer die Produktionsmöglichkeiten im Auge zu behalten. Dafür muss man auch mal den Kopf über den Tisch recken.
Ganz wichtig ist die Zugreihenfolge, in der die Aktionen zugeordnet werden. Böse Sache, das! Da regiert voll die Schaden- und hinterhältige Spielfreude bis hin zur Missgunst. Eine Runde ist nämlich vorbei, wenn alle bis auf einen keine Münze mehr haben. Ganz ehrlich: Wenn man selbst als Letzter noch viele Münzen übrig hat, die anderen aber bereits alles fürs Bauen, Liefern, Aufwachen (wer schläft, kann nicht arbeiten), Heiraten oder Kinderkriegen verballert haben, schwillt selbst auch dem betulichsten Schweizer der Kamm. Mir erst recht.
Ersteinschätzung: HELVETIA ist komplex verwoben ... und böse – nicht vergessen! Es könnte glatt für zwei Spiele in einer Schachtel reichen. Das macht es unübersichtlich. Was man alles anstellen kann? Viel … darüber lässt sich prima grübeln, denken, rechnen, planen. Und wer meint er hat's, rechnet lieber nochmal nach und kommt dann zu einer anderen Planung. Worauf man sich unbedingt einigen sollte: Berührt ist gemacht, und gemacht ist getan. Es gibt kein Zurück, sonst regiert schnell das Chaos. HELVETIA wird dann noch unübersichtlicher als es jetzt schon ist.
Gewinner: Nach einer dreiviertel Stunde der Erklärung und zwei Stunden Spieldauer kann es nur einen Sieger geben: Tom! Wie immer … Er holt gegen Ende mit voller Konzentration und reichlich Tabletalk tüchtig auf und gewinnt mit 24 zu 15 zu 14 Punkten.
Mittelmäßigkeitsfaktor: Gering, dafür ist HELVETIA eindeutig zu anspruchsvoll. Die Frage: Entsteht der Anspruch nur aus der gewissen Unübersichtlichkeit? Ich denke ja, denn die eigentlich guten Anlagen und Ideen in HELVETIA werden davon richtiggehend übertüncht.

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