Freitag, 9. April 2010

Rezension: Gonzaga

Guglielmo Duccoli: GONZAGA für 2 bis 4 Personen, dV-games bzw. Abacusspiele 2009

Thema
Wer verbindet in hiesigen Gefilden mit GONZAGA schon ein italienisches Adelsgeschlecht aus Mantua? Wo bitte schön ist Mantua? Und mit Heiratspolitik, mit Bündnissen auf Frauenbasis, hat GONZAGA gar nix zu tun. Na gut, auch nicht mit stinkendem Käse aus Italien. Das mit den sechseckigen Lehen, die sich quer durch Europa ziehen, kaufe ich dem Verlag ja noch ab, auch wenn es nur darum geht, bestimmte Felder abzudecken und bestenfalls auch noch das größte zusammenhängende Gebiet zu schaffen.

Optik
Das Titelbild ist wirklich gelungen, auch wenn es nach Kinderbuchillustration aus den frühen Achtzigern aussieht. Die Figuren stehen seltsam statisch vor der Burg, das können unsere Lieskes, Menzels und Vohwinkels besser. Aber es ist doch auch wieder eine „andere“ Art der Grafik, eben auch kein Ende aller Unterschiede. Was dem Ganzen allerdings die Krone aufsetzt, sind die schreiend bunten Lehen. Gelöcherte Sechsecke, drei oder vier Stück aneinandergepappt, in rot, blau, gelb und grün. Das ist nun wirklich nicht mehr schön!

Mechanik
Welches der 12 unterschiedlichen Lehen – allesamt farbenfrohe Plastikgebilde – wer wann bekommt, bestimmen die Lehenskarten. Wohin wer wie das Lehen setzt, bestimmt man selbst, so einem nicht jemand zuvor kommt. Europa ist unterteilt in die üblichen großen Länder, Frankreich nimmt da eine zentrale Rolle ein. Also wählt man: Hat man sich für ein Land entschieden, darf man entweder nur Häfen, nur Städte mit dem aktuellen Lehen überdecken, oder man darf beides. Und weil dabei die Reihenfolge wichtig ist, kommen zuerst nur Häfen, dann nur Städte und dann beides. Und wer unbedingt als Erster an die Reihe kommen will, spielt das Privileg, gibt einen seiner sechs Ringe ab und kommt hoffentlich wirklich als erster an die Reihe. Die Nummern der Lehenskarten fungieren bei Gleichstand als Tie-Breaker.
Das hört sich nicht nur wuselig an, das ist auch wuselig. Das Handling mit den Karten, mit den Lehen auf dem Brett, es herrscht Chaos, auch wenn nicht überbordendes, so doch mindestens italienisches Chaos. Dann muss man es sehen (können!). Oder man sieht es eben nicht! Wer kann wo wie agieren, wer hat welche Teile und passt überhaupt mein Teil so wie geplant aufs Brett? Gerade Letzteres überrascht auch „Seher“ gelegentlich wenig positiv. Dann muss man sein Lehen für drei Punkte der Kirche spenden. Bitter aber christlich.
Überhaupt ist viel, viel zu viel Brimborium im Spiel. Sonderaufträge, Bonus für drei gleiche, per Schifffahrtslinie, verbundene Häfen, Ringe auf Lehen anderer Spieler platzieren, besondere Legeregeln – die eigentlich gar nicht so unpfiffig sind … Wir Spieler fühlen uns belastet, denn nicht nur auf dem Tisch herrscht Chaos.

Fazit
Habe ich eigentlich Vorurteile gegen italienische Spiele? Klar habe ich die, EGIZIA, MAESTRO LEONARDO und jetzt auch GONZAGA – die sind mir alle zu überfrachtet. Da könnte man noch etwas abhobeln, das Spiel glätten, obwohl eigentlich alles zueinander passt. Oder auch wieder nicht, denn die Lehen verrutschen schon bei dem allervorsichtigsten Einpassen neuer Sechseckungetüme. Und wäre GONZAGA nicht so schreiend bunt – die Landkarte ist es ja genau nicht – ich hätte mehr Spaß an diesem „Man-sieht-es-oder-man-sieht-es-nicht-Spiel.“ Auch wenn ab und an Glück oder Pech bei der Reihenfolge über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Ranking:
Eindeutig Mittelklasse, auch wenn es wegen des üppigen Materials in der oberen Mittelklasse rangiert. GONZAGA wird sich aber nicht absetzen können. Mittelklasse, gerade der oberen Mittelklasse hängt ja sowieso der Geruch des Biederen an, des zwar Wohlgefälligen und auch irgendwie Wertigen, aber leider nicht des Außergewöhnlichen. Als Vielspieler wird man GONZAGA spätestens in der nächsten Saison vergessen. Aber erneut mitspielen würde ich es schon noch und mich über die Fehler blutiger Anfänger nicht mehr wundern. Denn davon kann man eine Menge machen ...

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