Mittwoch, 27. Januar 2010

Dominion n bis Dominion n+1

Ein paar grundsätzliche Überlegungen zu DOMINION und allen zukünftigen Erweiterungen

DOMINION dominiert immer noch den Jahrgang, nicht nur als Spiel des Jahres. Mit INTRIGE und SEASIDE gibt es reichlich Nachschub an neuen, anderen, besseren Karten. Die kann natürlich niemand auslassen, der intensiv DOMINION spielt. Und dazu kommt man ja fast automatisch, denn dieses Spiel hat diesen gewissen Suchtfaktor. Wirklich lebenswichtig sind neue Karte allerdings nicht, aber sie sind erwünscht, extrem erwünscht sogar. So ist das bei jeder Sucht. Jede noch so kleine Erweiterung - wie das 10-Karten-Giveaway SCHWARZMARKT - wird gierig verlangt, und dieses Verlangen nach dem SCHWARZMARKT kann tatsächlich nur auf Schwarzbay gestillt werden. Dafür werden mittlerweile unverständliche Summen geboten. Dafür kann man sich auch gut legalen Stoff besorgen. Illegale Karten wird es wohl nicht geben. Denn jeder Versuch, kommerziell durch Schwarzdrucke mitzuverdienen, wird durch den Lizenzgeber Rio Grande Games verfolgt werden. Gegen privat angefertigte „Drucke“ selbstentworfener Karten haben die beteiligten Verlage allerdings nichts. Aber warum sollte man sich die Mühe machen. Der käufliche Nachschub bietet dank INTRIGE und SEASIDE schließlich noch lange genug variantenreiches Spiel.
Ob jeder die gebotenen Möglichkeiten auslotet? Ob das auch beim ähnlich veranlagten MAGIC wirklich passiert ist, bei dem in jeder neuen Edition bessere, stärkere, wichtigere Karten dazu gekommen sind? Stehen wir möglicherweise vor einer ähnlichen Entwicklung? Klar, denn es wird weitere DOMINON-Ableger geben, denn in jedem Fall trifft hier Kunden- auf Verlegerwunsch: Kunden geben gerne gutes Geld für bessere Karten, eine echte Win-Win-Situation. Naja ...
Was sicher eintritt und jetzt auch schon zu beobachten ist, dass einige Karten zu reinen Füllseln degradiert werden. Wann auch immer sie in einem 10er-Satz auftauche, keiner will sie, keiner nimmt sie. Jedenfalls unter Profis sind Karten wie Holzfäller oder Burggraben ziemlich überflüssig. Füllsel wie Anwesen und Kupfer erfüllen ja wenigstens noch einen Zweck, denn sie bekommt man zwangsweise mit den Startkarten auf die Hand. Anders herum stimmt es auch: Bestimmte Karten erweisen sich als dominant.
Aber DOMINION wird ja nicht nur von Szene-Spieler gespielt, die jeder neuen Karte hinterher hecheln. Wer immer eine unbedarfte Runde beobachtet, wird je nach Geschlecht und Erfahrung der Spielrunde unterschiedliches Verhalten wahrnehmen. Auf einer öffentlichen Spieleveranstaltung habe ich mehreren Gruppen DOMINION erklärt und deutliche Unterschiede beobachten können. Reine Damenrunden spielen DOMINION eher wie neugierige Entdecker. Alle Karten werden ins Deck genommen und ausprobiert. Die Damen spielen sich das Kartendeck dick und haben trotzdem viel Spaß, gerade weil die Partie nicht sofort zu Ende ist und sich nach und nach der ganze Reiz des Spiels entfaltet. Ganz anders, wenn Jungen mitspielen. Möglicherweise wegen ihrer MAGIC-Erfahrungen überlegt diese Gruppe genau, wie welche Karten zueinander passen und optimiert ihr Deck. Da dauert die Partie nicht allzu lange, die Mutter der Jungen hatte auf jeden Fall ganz schnell das Nachsehen und hatte trotzdem noch Lust auf eine neue Partie ...
Und wer sich weiterbilden, neue Strategien erlernen, für den bietet das Netz allerlei Hilfestellungen. Peter Nos hatauf DasSpielEn.de Strategien beschrieben, und auf dem Dominion-Blog findet sich auch so allerhand, dazu noch ein Forum. Aber es sind nur Zweite-Hand-Erfahrungen, die man sich dort verschafft. Viel mehr Spaß macht es doch, beim Wettrennen um das bestfunktionierende Deck aus eigenem Können und aus den gemachten Erfahrungen als Sieger hervorzugehen. Hat man jedoch einen belesenen Gegner, wird man wohl ein paar frustige Partien erleben, in denen man in Null Komma Nix abgeledert werden wird.

Als Rezensent steht man sehr schnell bei jeder neuen DOMINION-Erweiterung vor demselben Problem: Muss man sich an den einzelnen Karten abarbeiten? Wie ist diese oder jene Karte zu sehen? Welche „neuen“ wirkungsvollen Decks lassen sich daraus entwickeln? Im Grunde läuft es ja immer wieder auf dieselbe Sache heraus: Wer kann am besten die Wechselwirkungen unter den 10 ausliegenden Karten erkennen und das beste Deck daraus formen? Diese Frage stellt sich bei der INTRIGE und bei SEASIDE und wird sich noch bei jeder anderen Erweiterung stellen.

Aber es gibt schon gewisse Eigenheiten, die auch zukünftig für jede Erweiterung mehr oder minder prägend sein werden.

Es folgt: DOMINION INTRIGE

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