Freitag, 17. April 2009

Portrait: Martyn F

Ein Name, eine Marke?

Martyn F ist im eigentlichen Sinn kein Greenhorn der Essener Spieletage. Als Spieler war er schon oft in Essen. Der Niederländer aus Nijmegen war sogar letztes Jahr als Verleger mit seinem WADI präsent. Außerdem besetzt er mit seinen Spielen nicht unbedingt die spezielle Nische der szenetauglichen Spiele. Was er aber auch gar nicht will. Er sieht seine Spiele eher im Segment der einfachen, kurzen Spiele, die dennoch auch den Vielspielern etwas „bringen“ sollen. Und sie sollen immer einen einfachen Zugang bieten. Dass er sich in dieser Nische mit namhafter Konkurrenz herum schlagen muss, ist ihm bewusst. Auch dass es ihn viel Arbeit kostet, seine Spiele bekannt zu machen und nach der Messe zu vertreiben. Beides sind Probleme, die sich jeder Kleinverleger stellen muss. Gerade mit der Wahl der Nische sorgt man in Essen für Gesprächsstoff und kommt an Reputation oder eben nicht. In der Vergangenheit haben einige Verleger mit den richtigen Spielen, dem richtigen Thema sich so zu Lieblingen der Szene gemausert. Ob das Martyn F auch gelingen wird?

Seine Spiele werden in Deutschland von den Heidelbergern vertrieben. Sein frisch produziertes CITIES geht zu einem Teil direkt in deren Lager, ohne dass die Spiele den Umweg über Martyn Fs niederländische Heimat machen müssten. Aber leider haben es seine Spiele nicht mehr in den Exklusiv-Katalog 2009 der Heidelberger geschafft. Watt Jammer! Die restlichen Spiele seiner 2500 Auflage wird er wohl bei sich zu Haus unterstellen müssen. Die ganze Vorbereitung für Produktion und für Essen hat ihm sicherlich einiges an Stress abverlangt, zumal der Mann mit seiner Familie fünf Wochen vor der Messe umgezogen ist.

Mit seinem eigenen Verlag und der Neuheit CITIES präsentiert er sich auch dieses Jahr, schließlich gerät – wer nicht veröffentlicht – schnell aus dem Fokus. Das Spiel ist anlässlich eines Sylvesteraufenthalts in Berlin entstanden, als Martyn F über ein Spiel für acht Mitspieler nachdachte. Sein erster Schritt dahin: Jeder spielt an seiner eigenen Auslage. CITIES ist aber dann doch nur ein Spiel für ein bis vier Personen geworden. Obwohl, hätte man zwei, könnte man auch zu acht spielen.

Auffällig ist wie schon letztes Jahr die andere Grafik, die sich so gar nicht an den Vohwinkels, Lieskes oder Menzels orientiert und sich auch deutlich vom Massengeschmack absetzt. Allerdings ist der Wiedererkennungswert seiner Spiele in der Masse der Spiele doch enorm, ob man die Gestaltung nun mag oder nicht. Wieder hat der Onkel seiner Frau für die Grafik gesorgt. Peter Hermans, der sonst abstrakt und expressionistisch malt, sorgt für den unverwechselbaren Ausdruck. Alles entsteht von Hand in Acryl. Das ist einerseits außergewöhnlich, andererseits aber auch mutig, denn es ist so anders. Man muss es mögen ... Und dieses Mal wird sein Onkel sogar ein Honorar erhalten, darüber ist allerdings noch nicht verhandelt worden, gesteht Martyn F. Gut, dass die Verhandlungen innerhalb der Familie geführt werden.

Martyn F denkt aber nicht nur an Spiele für seinen eigenen Verlag. Eigene Spiele, die nicht in das Verlagsprogramm von Emma Games passen, weil sie zu anspruchsvoll, zu strategisch sind, wird er auch anderen Verlagen anbieten. Der Verlag heißt übrigens nach seiner Urgroßmutter.

Und wer versteckt sich hinter dem Pseudonym Martyn F? Da wird der 34-jährige einsilbig. So richtig will er nicht damit raus. Sein Nachname sei für Nicht-Niederländer einfach zu schwierig – meint er. Und außerdem sei es besser, alle Welt kenne ihn unter Martyn F. Ein Name, eine Marke! Naja, man könnte ein wenig recherchieren, zum Beispiel bei allwhois.com, auf welchen Namen die Internet-Präsenz von Emma Games zugelassen ist ... aber es geht auch so. Martyn F ist eben Martyn F. Und dass sein Nachname von uns Deutschen nicht verstanden wird, glaube ich ihm nach der kurzen Recherche sowieso nicht mehr. Außerdem spricht der Mann richtig gut Deutsch.

Wolfgang Friebe

Zuerst veröffentlicht in der Fairplay

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